Wirtschaft : Zum zweiten Mal geflogen

VW-Chef Pischetsrieder stürzt und Winterkorn folgt

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Zu hoch gezockt und zu lange gezaudert – ein halbes Jahr nach der Vertragsverlängerung um fünf Jahre flog Bernd Pischetsrieder bei VW raus. Ende der 90er hatte der profilierte Autoexperte den Vorstandsvorsitz bei BMW wegen der Rover-Krise aufgeben müssen. Bei VW gab es keinen vergleichbaren Grund. Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und sein Stellvertreter, IG Metall-Chef Jürgen Peters, wollten aus diversen Gründen den ruhigen Bayern loswerden. Piëch nimmt ihm übel, dass sich Pischetsrieder mit Niedersachsens Ministerpräsident und ebenfalls VW-Aufsichtsrat Christian Wulff gegen ihn verbündet hatte. Und Piëch und Peters ging es auf den Baustellen des Konzerns – das hoch defizitäre US-Geschäft, dramatische Marktanteilsverluste in China, Sanierung der Kernmarke VW – nicht schnell genug.

Am Ende hatte wohl eine taktische Ungeschicklichkeit von Pischetsrieder ihm den Kopf gekostet. Er soll, womöglich mit Wulff, den MAN-Konzern zu einer Beteiligung an VW zu überreden versucht haben, um damit den Einfluss des VW-Großaktionärs Porsche einzudämmen. Dass das nicht auf Wohlgefallen stieß bei Porsche-Chef (und VW-Aufsichtsrat) Wendelin Wiedeking und Porsche-Miteigentümer Piëch, hätte sich Pischetsrieder denken können.

Nun wird er ersetzt durch Audi-Chef Martin Winterkorn. Auch dessen automobile Fähigkeiten sind unbestritten. Piëch und Winterkorn kennen sich gut aus gemeinsamen Jahren bei Audi in den 80ern, als die beiden Ingenieure mit technischen Innovationen und Raffinessen die Basis legten für den Erfolg der Ingolstädter Premiummarke. Winterkorn hat sich das überaus ehrgeizige Ziel gesetzt, die VW-Tochter Audi zur erfolgreichsten Premiummarke zu machen, also BMW und Mercedes zu überholen. Das muss nun sein Nachfolger versuchen. In Wolfsburg dagegen ist ein weltweiter Konzern zu steuern, in dem Audi eine wichtige, aber eben auch nur eine von sieben Marken ist. Das braucht Durchsetzungsvermögen und Diplomatie. Und ein weiterhin gutes Verhältnis zum Aufsichtsratsvorsitzenden Piëch. alf

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