Wirtschaft : Zusammenschluss wäre die größte Fusion aller Zeiten - Klaus Esser verlässt den Konzern

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In der Übernahmeschlacht um Mannesmann zeichnet sich kurz vor Ablauf der Angebotsfrist doch noch eine Einigung ab. Am Donnerstag trafen die Spitzenmanager von Vodafone und Mannesmann zu Gesprächen zusammen, die Mannesmann-Chef Klaus Esser bisher strikt abgelehnt hatte. Offenbar will Esser auch persönliche Konsequenzen ziehen.

Von den Aktienbörsen gingen bereits zu Beginn der laufenden Woche klare Signale aus: Die Spanne zwischen dem aktuellen Mannesmann-Kurs und dem rechnerischen Wert des Vodafone-Angebots wurde immer geringer. Offenbar rechneten die Marktteilnehmer damit, dass Vodafone die geplante Übernahme von Mannesmann gelingen werde. Beobachter sagen zudem, dass die Manager großer Investmentfonds in den USA und Deutschland Druck auf den Mannesmann-Vorstandsvorsitzenden Klaus Esser ausübten, sich doch noch an den Verhandlungstisch zu setzen. Auch der Aufsichtsrat soll Esser dies anempfohlen haben. Am Mittwochabend fanden dann die ersten Gespräche in Düsseldorf statt. Sie wurden am Donnerstag fortgesetzt.

Vodafone-Chef Chris Gent hatte in letzter Zeit weitere Zugeständnisse gemacht. Er bot dem Düsseldorfer Konzern einen Anteil von knapp unter 50 Prozent an dem gemeinsamen Unternehmen an - wenn das Management seinen Aktionären die Annahme des Angebots empfehle. Im offiziellen Übernahmeangebot sind es nur 47,2 Prozent. Das hat den Druck auf Esser offenbar noch einmal erhöht. Er hatte dagegen immer 58,5 Prozent gefordert.

Ein verbessertes Tauschverhältnis allein, wäre für Mannesmann eine Niederlage, sagte Analyst Ralf Hallmann von der Bankgesellschaft Berlin. In den Verhandlungen müssten Mannesmann und Vodafone sich auch strategisch entgegenkommen, damit beide Unternehmen als Sieger aus der Übernahmeschlacht hevorgehen könnten. Am Donnerstag mussten die Mannesmann-Papiere starke Kursverluste hinnehmen. Die Mannesmann-Aktie hatte am Mittwoch mit 325 Euro geschlossen und wurde am Donnerstagmittag mit 306 Euro gehandelt. Die Vodafone-Aktie fiel am Donnerstag zeitweise um 46 Pence oder zwölf Prozent auf 3,39 Pfund, bevor sie sich auf rund 3,53 Pfund erholte. Offenbar betrachteten die ersten Marktteilnehmer die Sache als gelaufen und nahmen Gewinne mit, sagte Hallmann.

Auch Frank Wellendorf, Analyst bei WestLB Panmure, sagte, der Markt habe die Entwicklung bereits zu Beginn der Woche vorweggenommen, so dass jetzt Gewinne realisiert würden. "Ich bin überzeugt, dass es zu einer freundlichen Übernahme kommt", sagte Wellendorf. Die ersten Manager der großen Fonds, die in Dax- und in Euro-Werte investierten, würden bereits jetzt verkaufen, um nicht erst tauschen und dann verkaufen zu müssen. Hallmann rät den privaten Aktionären jedoch, die Entwicklung zunächst weiter abzuwarten, bevor sie die Entscheidung - Tauschen oder Nicht-Tauschen - treffen. Die Angebotsfrist läuft noch bis zum 7. Februar, 24 Uhr. Vodafone im Falle des Gelingens der Übernahme bereits angekündigt, dass die Frist für die verbliebenen Mannesmann-Aktionäre dann noch einmal verlängert wird. Sollten Vodafone und Mannesmann zu einer einvernehmlichen Lösung kommen, wäre der Aktientausch für etwa 400 Milliarden Mark die größte Übernahme der Geschichte und würde sogar die geplante Eingliederung von Time Warner in den AOL-Konzern für 154,8 Milliarden Dollar übertreffen. Mannesmann, so wird erwartet, werde einen Anteil von 49,5 Prozent des neuen Unternehmens haben. Der amerikanische Fernsehsender CNBC meldete am Nachmittag, dass Klaus Esser die Konsequenzen aus der in seinen Augen verlorenen Übenahmeschlacht ziehen und den Konzern verlassen werde.

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