Wirtschaft : Zwei Chefs für Berlin Partner

Wirtschaftssenatorin Obernitz sucht einen Nachfolger für René Gurka.

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Berlin - Nun also doch: Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berlin Partner soll einen weiteren Geschäftsführer bekommen. Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz (parteilos), die seit drei Monaten als Aufsichtsratsvorsitzende amtiert, will sich mithilfe einer Personalberatung auf die Suche nach einem Nachfolger von René Gurka machen. Gurka war letztes Jahr wegen einiger Fahrlässigkeiten, unter anderem bei der Auftragsvergabe, zurückgetreten. Seitdem leitet die frühere IHK–Mitarbeiterin Melanie Bähr die Partner allein – und es gab durchaus Überlegungen, daran nichts zu ändern. Zumal die forsche Obernitz anders als ihr Vorgänger Harald Wolf (Linke) Berlin stärker nach außen repräsentieren möchte und dadurch Bähr beim Verkaufen des Standorts entlasten könnte. Nun hat sich aber die Einsicht durchgesetzt, dass Bähr allein das Geschäft der Partner nicht wuppen kann: Für Berlin werben, ansässigen Firmen helfen und in der Welt Investoren für die Stadt akquirieren.

Dabei wird Bähr allerorten gute Arbeit bescheinigt. Sie hat den Partnern eine neue Struktur verpasst, die sich stärker an den Schwerpunktbereichen der Wirtschafts- und Technologiepolitik (Cluster) orientiert. Dabei hat sie eine ganz neue Führung formieren müssen, da nach Gurka auch der kaufmännische Leiter, die Personalchefin und der Sprecher die Partner verlassen mussten. Diese Aufräumarbeiten hatte vor allem noch der damalige Aufsichtsratsvorsitzende Peter Zühlsdorff erledigt. Der war indes Ende Februar zurückgetreten, nachdem ihm die neue Senatorin erklärt hatte, wer das Sagen hat in der Wirtschaftsförderung: Sybille von Obernitz

Die von der CDU ausgewählte Senatorin reklamiert einen größeren Einfluss der Politik auf die diversen Fördergesellschaften des Landes Berlin und machte sich zumindest verbal an die Umsetzung des Koalitionsvertrags von SPD und CDU. Dort heißt es, der Senat werde „das Zusammenspiel von Wirtschaftsverwaltung, Visit Berlin, Berlin Partner, TSB und IBB kritisch hinterfragen“. Das kann dauern. Bei der Technologiestiftung TSB, die in den vergangenen Jahren häufig in der Kritik stand, hat man jedenfalls seit Januar nichts mehr von der Senatorin gehört. Und betont im übrigen die gute Zusammenarbeit mit den Partnern. Kern der Botschaft: Es gibt keinen Handlungsbedarf.

Und was macht die Senatorin? Sie will sich derzeit nicht äußern, ob und gegebenenfalls welche Pläne sie mit der Wirtschaftsförderung hat. „Ihr Haupteinsatzfeld“, so hat Christian Amsinck beobachtet, der Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände, „liegt in der Ansprache der Firmen und der Präsenz in Berlin und außerhalb Berlins“. Und das mache sie gut, beispielsweise auf der Hannover Messe. „Eine Wirtschaftssenatorin ist auch und gerade für gute Stimmung zuständig“, sagt Amsinck. Und das kriege Obernitz, anders als ihr steifer Vorgänger, ganz gut hin. Alfons Frese

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