• Zwei Röstereien streiten darüber, wer den Namen des ostdeutschen Spitzenkaffees "Mona-Kaffee"tragen darf

Wirtschaft : Zwei Röstereien streiten darüber, wer den Namen des ostdeutschen Spitzenkaffees "Mona-Kaffee"tragen darf

Eberhard Löblich

Es war einer dieser seltenen Momente, in denen eine gute Idee zu genau dem richtigen Zeitpunkt auf den Markt kam. Als die Magdeburger "Röstfein"-Kaffeerösterei 1997 die alte DDR-Kaffeemarke "Rondo Melange" neu auf den Markt brachte, lief die legendäre Ostpakete-Aktion der Agrarmarketing-Gesellschaft Sachsen-Anhalt (AMG) noch auf vollen Touren. "Langsam ist es an der Zeit, sich beim Westen für die Pakete von damals zu bedanken", hatte die AMG die Ostdeutschen aufgerufen. Und die packten den Ost-Spitzenkaffee "Rondo Melange" als Gruß aus dem Osten in die Retour-Pakete. "Rondo Melange" schlug im Westen so erfolgreich ein, dass die westdeutschen Filialketten gar nicht umhin kamen, den Kaffee aus Magdeburg zu ordern. In Magdeburg kam es zu echten Lieferengpässen. Schnell planten die Magdeburger die Markteinführung einer zweiten Legende unter den einstigen DDR-Spitzenkaffees. Mit "Mona" wollten sie den "Rondo Melange"-Erfolg wiederholen. Doch jetzt müssen sie sich mit mutmaßlichen Trittbrettfahrern herumschlagen. Denn eine kleine Kaffeerösterei im thüringischen Nordhausen will ebenfalls "Mona"-Kaffee auf den Markt bringen und das gleich in drei verschiedenen Geschmackssorten. Vor der Wettbewerbskammer des Landgerichts Erfurt läuft derzeit der Streit darum, wessen "Mona" denn nun der Echte ist.

Auf die Konkurrenz ist "Röstfein"-Chef Manfred Winkelmann schlecht zu sprechen: Bei den Nordhäusern sei keineswegs "Mona" drin, wo "Mona" drauf stehe. Denn die Nordhäuser Rösterei will auch einen "Mona-Melange" und einen "Mona-Mocca" auf den Markt bringen. "Mit dem Namen Mona ist schon seit DDR-Zeiten sanfte Bekömmlichkeit verbunden gewesen", beteuert Winkelmann. Mit Melange und Mocca vertrage sich das nicht.

Nikolaus Sedlmeyer, Geschäftsführer der Drei Streif Kaffeerösterei in Nordhausen, ist dagegen felsenfest davon überzeugt, die Markenrechte an "Mona" zu besitzen. Winkelmann sieht das anders. Der "Röstfein"-Chef hatte bereits früh aus der Konkursmasse der Venag in Halle, dem einstigen Kombinatsführer der DDR-Kaffeeproduktion, die Markenrechte an sämtlichen DDR-Kaffeemarken gekauft, zunächst aber nur die Marke "Rondo Melange" beim Markenregister des Münchener Patentamtes angemeldet. Erst Mitte November 1997 wurde "Mona" als zweite "Röstfein"-Premiummarke zur Registrierung beim Markenregister angemeldet. Zum Betriebsjubiläum im Mai vergangenen Jahres wurde das neue Produkt im Markt eingeführt. Aber zuvor hatte bereits ein zweiter Kaffeeproduzent die Marke "Mona" ins Markenregister eintragen lassen.

Hinter der Markenanmeldung steckte Hubert Tempelmann, ein Kaffeekaufmann aus dem nordrhein-westfälischen Dorsten, der bei "Röstfein" in Magdeburg ein und aus ging. Denn Tempelmann ist und war lediglich Kaffee-Händler, seine Kaffeemarke ließ er unter anderem bei "Röstfein" in Lohnrösterei produzieren. "Und bei irgend einem der vielen Tempelmann-Besuche muss irgend einer unserer Mitarbeiter geplaudert haben", ist Winkelmann überzeugt. Tempelmann hatte jedoch niemals wirklich vor, die Marke "Mona" selbst zu produzieren. Nachdem Verhandlungen über die Übertragung der Markenrechte an "Röstfein" an den hohen Forderungen Tempelmanns gescheitert waren, verkaufte dieser den Markennamen an Sedlmeyer und dessen Kompagnon Hans-Joachim Heinke.

Jetzt müssen die Richter entscheiden, welchem Teil des Doppelten Lottchens in der Kaffeetüte sie die hohen Weihen der Originalität verleihen - und welchen "Mona" sie damit vom Markt fegen. Das Urteil fällt voraussichtlich Ende Januar.

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