Wirtschaft : Zweifel an staatlichen Eingriffen

FRANKFURT (MAIN) (ro/AP).Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer hat sich gegen staatliche Eingriffe in die Finanzmärkte ausgesprochen.Im Bundesbank-Jahresbericht 1998, den die Währungshüter am heutigen Donnerstag veröffentlichen, heißt es, es gebe starke Hinweise darauf, daß meist grundlegende Ungleichgewichte mitverantwortlich für Währungsturbulenzen gewesen seien.Daraus könne gefolgert werden, daß Währungskrisen "kein reines Zufallsprodukt sprunghafter Spekulanten" vom Schlage eines George Soros seien.

Der Hinweis kommt rechtzeitig zu den Beratungen auf der Frühjahrstagung von Weltbank und Internationalem Währungsfond (IWF).In Washington nämlich soll in der kommenden Woche wieder einmal über Maßnahmen gegen solche Krisen gesprochen werden.Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte kürzlich den Finanzmärkten eine Mitschuld an schwachen Wachstumsaussichten zugeschrieben und "vernünftige Verabredungen zur Stabilisierung der internationalen Finanzarchitektur" gefordert.Spekulative Kapitalbewegungen hätten manche Länder zu Anpassungsprozessen gezwungen, die das Wachstum beeinträchtigten und Arbeitsplätze gefährdeten.

Tietmeyer erklärte im Vorwort zum Jahresbericht, die Währungs- und Finanzkrisen von Asien über Rußland bis Lateinamerika würfen zwar die Frage nach der Funktionsfähigkeit von Finanzmärkten auf.Doch solle diese Häufung nicht vorschnell mit Forderungen nach lenkenden staatlichen Eingriffen verbunden werden."Oftmals waren es nämlich gerade Festlegungen der Währungsbehörden eines Landes, so beispielsweise zu starre Wechselkursbindungen, die sich letztlich als Falle entpuppten." Die Veränderung fundamentaler Faktoren erzeuge oft Spannungen, die zu kräftigen Wechselkurskorrekturen führten.Dies sei zwar manchmal übertrieben gewesen, doch seien die spekulativen Attacken in der Regel nicht völlig grundlos gewesen.Meist seien Volkswirtschaften durch sich entwickelnde Schwachstellen angreifbar geworden.Von notwendiger besserer Aufsicht in einigen Ländern abgesehen, seien daher nicht neue bürokratische Regulierungen erforderlich.Vielmehr sei es sinnvoll, den Wechselkursen ihre Funktionen als Ausgleichsmechanismen zu belassen.Allerdings seien national wie international geeignete Rahmenbedingungen und eine ausreichende Stabilität des Finanzsystems vonnöten.

In einem Exkurs zur Entstehung von Währungsturbulenzen erklärte die Bundesbank, in vielen Fällen ließen sich Kombinationen vorangegangener fundamentaler Fehlentwicklungen identifizieren.Als einzelne Faktoren wurden aufgezählt: Überbewertung der betreffenden Währungen, träge Exportentwicklung, relativ niedrige Währungsreserven und hohe Leistungsbilanzdefizite.

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