Wirtschaft : Zweitgrößtes Callcenter in Not

Frankfurt am Main - Der zweitgrößte deutsche Callcenter-Betreiber Walter Services ist wieder in einer existenziellen Krise. Der Dienstleister aus Ettlingen bei Karlsruhe, der allein in Deutschland 6000 Menschen beschäftigt, flüchtet sich in ein Schutzschirmverfahren, wie er am Donnerstag mitteilte. Diese Vorstufe zum Insolvenzverfahren schützt Unternehmen für drei Monate vor dem Zugriff seiner Gläubiger – wenn sie noch nicht zahlungsunfähig sind. Auslöser des Antrags war nach Unternehmensangaben der Verlust mehrerer Aufträge im Juni.

Das Unternehmen betreibt Telefonmarketing unter anderem für die Deutsche Telekom und für E-Plus, von beiden Firmen hatte es komplette Callcenter-Standorte übernommen. Nun gehe es darum, einen „tragfähigen Plan mit dem Ziel der Restrukturierung der Gruppe zu erarbeiten“, erklärte der erst seit Mitte Juni amtierende Geschäftsführer Joachim Hofsähs. Dabei helfen sollen die Sanierer Jan Markus Plathner und Christoph Morgen, die als Sachwalter eingesetzt wurden, um die Geschäftsführung zu überwachen.

Im Schutzschirmverfahren kann ein Unternehmen den Sachwalter selbst wählen – anders als im Insolvenzverfahren, wo die Gläubiger und das Gericht das Sagen haben. Auch der Fernsehgerätehersteller Loewe hatte in der vergangenen Woche Gläubigerschutz beantragt. Die Neuerung war mit der Insolvenzrechtsreform 2012 eingeführt worden. In den meisten Fällen mündet das Schutzschirmverfahren in ein Insolvenzverfahren.

Walter Services war vor mehr als zwei Jahren in eine Krise geraten, weil der Finanzinvestor Odewald dem schnell expandierenden Unternehmen zu viele Kredite aufgeladen hatte. Als der Großkunde Quelle pleiteging, konnten die Kredite nicht mehr bedient werden.rtr

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