Wirtschaft : Zwischen Kunst und Handwerk Arbeitsplatz Theater: Bühnenbildner werden

Auf großem Fuß. Der Bühnenbildner Paul Brown hat auf der Seebühne Bregenz die Kulissen für die Oper Aida gestaltet. ]/ ]Foto: dpa Foto: picture alliance / dpa-tmn
Auf großem Fuß. Der Bühnenbildner Paul Brown hat auf der Seebühne Bregenz die Kulissen für die Oper Aida gestaltet. ]/ ]Foto: dpaFoto: picture alliance / dpa-tmn

Querdenker, Dickschädel, Besessene – im Studiengang „Bühnen- und Kostümbild“ der staatlichen Kunsthochschule in Stuttgart sind Obsessionen willkommen. „Man muss eine Not haben, brennen für seine Sache“, sagt Professor Martin Zehetgruber, der das Fach unterrichtet. Bis zu 50 Bewerber stehen in Stuttgart jedes Jahr in dem Fach Schlange. Nur zehn Prozent werden genommen. Sie haben vorher eine Mappe eingereicht und die zweitägige Aufnahmeprüfung überstanden.

„Stellen Sie mit Hilfe eines Kubus Schwindelgefühle dar“, könnte eine Aufgabe darin lauten. Es geht darum, Begriffe ins Bildhafte zu übersetzen und dreidimensionales Vorstellungsvermögen zu beweisen. Interesse für Musik, Malerei und Literatur reicht nicht aus: „Wer eine Art Höhere-Töchter-Studium sucht, wird hier unglücklich“, sagt Zehetgruber.

Katharina Schlipf ist glücklich. Die 27-Jährige hat ihr Diplom als Bühnen- und Kostümbildnerin in der Tasche. Und ihre Abschlussarbeit feierte Premiere: Georg Büchners Drama „Dantons Tod“. Schlipf war dabei verantwortlich für Bühnenbild, Licht, Kostümbild, Requisite und Öffentlichkeitsarbeit. Im Studium hat sie an Modellen gearbeitet, „Tischarbeiten“ genannt. Das sind maßstabsgetreue Bühnenbildentwürfe. „Ich kann auch sägen und flexen“, sagt Schlipf. Sie müsse zwar im Job nicht selbst bauen, aber davon etwas verstehen. Wenn es in den Werkstätten heißt „Diese Idee kann man nicht umsetzen“, kann sie kontern: „Doch, das geht, ich habe das schon gemacht.“ Die Mischung aus Kunst, Handwerk und Technik macht den Beruf aus.

Das macht die Tätigkeit besonders vielseitig, wie der Deutsche Bühnenverein in Köln erläutert. Die Arbeit steht ganz am Anfang jeder Inszenierung. Nach einer Textanalyse und einigen Recherchen erstellt der Bühnenbildner erste Entwürfe.

Dabei ist das Theater nur der klassische Abnehmer für Bühnenbildner. Sie werden auch für Installationen, Ausstellungen oder Filmsettings ausgebildet, erklärt Evi Bauer von der Akademie der Bildenden Künste in München. Daher stehe nicht nur Theatertechnik und -geschichte auf dem Lehrplan, sondern auch technisches Zeichnen, Dramaturgie, Trickfilm und Video.

   Reich wird man dabei in der Regel nicht. „Bühnenbildner ist ein künstlerischer Beruf, es geht in erster Linie um die Sache und in zweiter Linie um das Geld“, betont Bauer. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg kann die tarifliche Mindestgage bei einem festen Engagement 1600 Euro im Monat betragen. Darüber hinausgehende Gagen müssten frei ausgehandelt werden. dpa

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