Wirtschaft : Zwölf Milliarden für die RWE-Kasse

Der Stromkonzern trennt sich von der britischen Tochter Thames Water – und muss nun das frische Geld sinnvoll anlegen

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Berlin - Der Energieversorger RWE verkauft seine britische Wassersparte Thames Water für fast zwölf Milliarden Euro. Käufer ist ein Konsortium unter Führung der australischen Macquarie-Bank, teilte RWE mit. Der Verkauf sei ein entscheidender Schritt bei der „Konzentration auf unsere Kernkompetenzen in den Strom- und Gasmärkten in Europa“, sagte RWE-Chef Harry Roels.

Mit mehr als acht Millionen Kunden ist Thames Water der größte britische Wasserversorger. RWE hatte das Unternehmen erst im Jahr 2000 gekauft und war damit zum drittgrößten Wasserversorger der Welt aufgestiegen. Damals zahlten die Essener 11,2 Milliarden Euro inklusive der Übernahme von Schulden.

Doch schon nach kurzer Zeit kündigte RWE an, die britische Tochter wieder abzustoßen. Die erhofften Synergien mit dem Gas- und Stromgeschäft hatten sich nicht eingestellt. Auch von der US-Tochter American Water will sich RWE trennen – durch einen Börsengang spätestens 2007. Zudem ist RWE noch an Wasserversorgern in Berlin und Dortmund beteiligt.

Zuletzt hatte sich Thames Water zum Problemkind entwickelt. In diesem Sommer führten undichte Rohre in London zu Wasserknappheit. Thames Water wurde vorgeworfen, zu wenig Geld in die Sanierung der maroden Leitungen zu stecken.

Das Käuferkonsortium mit dem Namen Kemble Water Limited zahlt RWE 7,2 Milliarden Euro und übernimmt Schulden von 4,7 Milliarden Euro. RWE erwarte aus der Transaktion einen Buchgewinn in Höhe eines mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Betrags. Dem Geschäft zustimmen müssen noch der RWE- Aufsichtsrat sowie die Kartellbehörden. Macquarie wird nach eigenen Angaben einen Anteil von elf Prozent an Thames Water übernehmen, der Rest verteilt sich auf die übrigen Investoren.

Beobachter begrüßten den Verkauf. „RWE verfolgt konsequent die Strategie, sich von Bereichen zu trennen, die keine Synergieeffekte mit dem Strom- und Gasgeschäft bieten“, sagte Peter Wirtz, Analyst bei der WestLB, dem Tagesspiegel. „Allerdings hat RWE jetzt das Problem, was man mit dem Geld macht.“ Jetzt sei der Konzern überkapitalisiert.

RWE setzt auf Zukäufe. Mega-Deals wie der geplante Endesa-Kauf durch Eon werde es aber nicht geben. Analyst Wirtz bezweifelt aber, ob RWE mit kleinen Akquisitionen weiter komme. „Das Unternehmen könnte eine aktive Rolle bei der Konsolidierung in Europa spielen.“ In Holland oder Österreich wäre ein Engagement „strategisch sehr sinnvoll“.

Derweil könnte RWE selbst ins Visier von Investoren geraten. Gerüchten zufolge ist der russische Energiekonzern Gasprom an einem Minderheitsanteil interessiert. „Wenn Gasprom bei Schalke 04 einsteigt, ist das vielleicht auch bei RWE möglich“, sagte Analyst Wirtz. Strategisch sei das zwar nicht sinnvoll. „Aber Gasprom mag das anders sehen; schließlich geht es auch um Imagefragen.“ Die RWE-Aktie verlor am Dienstag in einem schwachen Markt 1,18 Prozent auf 77,14 Euro.

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