100 Jahre Certificate of Proficiency in English : Test your English!

Mutter aller Sprachtests: Seit 100 Jahren verleiht die Universität Cambridge Sprachzertifikate. Bis heute geben die Testentwickler vor, was "gutes Englisch" ausmacht.

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Very British. Die obersten Sprachprüfer an der Universität von Cambridge legen auch fest, was gutes Englisch ist.
Very British. Die obersten Sprachprüfer an der Universität von Cambridge legen auch fest, was gutes Englisch ist.Foto: AFP

Wer sich schon einmal an einer ausländischen Hochschule beworben hat und dafür eine Bescheinigung seiner Englischkenntnisse brauchte, kennt die Prozedur. Voraussetzung ist ein Sprachtest: Man sitzt vor einem Computer und beantwortet stundenlang Fragen zur englischen Grammatik, kämpft sich durch unbekannte Vokabeln und muss ab und an eine Antwort raten. Der berühmteste dieser Tests, das „Certificate of Proficiency in English“ der Universität Cambridge, wird in diesem Jahr hundert Jahre alt.

Die Geschichte des ersten Jahrgangs erzählen die Mitarbeiter der Abteilung „Cambridge English Language Assessment“, an der die Tests entwickelt werden, mit einem Schmunzeln. „Für die erste Runde fanden sich genau drei Kandidaten“, sagt Juliet Wilson. Sie betreut das globale Netzwerk von Sprachzentren, in denen heute jährlich über vier Millionen Prüflinge antreten.

Der erste Jahrgang fiel komplett durch

Die Pioniere von 1913 hatten deutsch klingende Nachnamen – Dirlinger, Loewenberg und Tietz – und hofften wohl auf Zulassung in Cambridge. Ihre Motivation lässt sich nicht mehr klären, die Unterlagen sind verschollen. Der erste Test jedenfalls hatte es in sich: Er dauerte zwölf Stunden und gab Essaythemen vor wie: „Beschreiben Sie die Kulturtheorie von Matthew Arnold!“ oder „In welchen Schritten erfolgt die Entwicklung des Selbst?“ Der erste Jahrgang fiel komplett durch.

Abschreckende Wirkung hatte das nicht. Ein Großteil der Bewerber für das Zertifikat stammte in den Anfangsjahren aus dem deutschsprachigen Raum, meist waren es angehende Lehrer, darunter 70 Prozent Frauen. 1933 öffnete in Hamburg eines der ersten drei Overseas centers. 1937 kam ein Zentrum in Berlin dazu, bis 1939 boten auch jüdische Privatschulen das Zertifikat an.

Eine größere Bewerberzahl erreichte der Sprachtest aber erst, als der damalige Direktor Jack Roach Ende der 30er Jahre ein Zertifikat für ein niedriges Sprachniveau entwickelte. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Zahl der Prüflinge schlagartig von 30 auf 6000 pro Jahr. Die wachsende Bedeutung des Englischen tat ihr Übriges. Bis 1980 erhöhte sich die Teilnehmerzahl auf 120 000. In den 90er Jahren kam Wirtschaftsenglisch dazu, dann folgte Englisch für den Rechtsbereich, später auch für Kinder.

Inzwischen testen weltweit 2700 Prüfungszentren

Heute kommt kaum jemand an dem Test vorbei: In Berlin werden Cambridge-English-Aufgaben beim Mittleren Schulabschluss bearbeitet. Wer nach Oxford will, braucht eine möglichst hohe Punktzahl. Kleinere Firmen sparen sich damit ein eigenes Assessment Center.

Getestet wird weltweit an 2700 Prüfungszentren, 63 davon befinden sich in Deutschland. Wie bei anderen Sprachtests, etwa dem „Test of English as a Foreign Language“ (Toefl), werden einige Fragen im Multiple-Choice-System digital beantwortet. Längere Aufsätze werden nach Cambridge geschickt und dort ausgewertet. Im Prüfungsland selbst wird die mündliche Prüfung von zwei ausgebildeten Muttersprachlern abgenommen. Deshalb ist der Test auch nicht ganz billig. 170 Euro kostet etwa das klassische „Certificate of Proficiency in English“ (CPE), die höchste Qualifikationsstufe.

Die Deutschen schneiden im weltweiten Vergleich gut ab

Die Deutschen schneiden im weltweiten Vergleich übrigens gut ab. Kerstin Großmann, Regionalmanagerin von Cambridge English in Berlin, bezeichnet das Niveau des Fremdsprachenunterrichts an deutschen Schulen als „überdurchschnittlich“. 80 Prozent der Schüler bestehen den Test.

Auch wenn Englisch als Internetsprache omnipräsent und in der Geschäftswelt unverzichtbar ist, geben die Testentwickler in Cambridge weiterhin vor, was „gutes Englisch“ ausmacht. Doch manchmal lernen sie auch von ihren Kunden. Bis in die 90er Jahre nannte sich die Sprachabteilung in Cambridge abgekürzt „Ucles“, was Uneingeweihte leicht wie „useless“ (nutzlos) aussprachen. Netzwerk-Chefin Juliet Wilson erinnert sich, dass häufig Kandidaten anriefen und nach dem „useless certificate“ fragten. „Da wusste ich, dass wir einen neuen Namen brauchen.“

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