16 Länder, aber das Abitur wird vergleichbarer : Abiaufgaben aus dem Einheitspool

Die Abiturnoten klaffen bundesweit auseinander, aber bei den Prüfungsfragen setzen sich nach und nach einheitliche Standards durch. Die KMK veröffentlicht gemeinsame Übungsaufgaben und in Mathe kommt ein Abitermin für alle.

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Schülerinnen und Schüler sitzen schreibend an Einzeltischen. Foto: dpa
Poollösung. Das IQB stellt Ende dieser Woche gemeinsame Übungsaufgaben für das Abitur ins Netz, für die Prüfungsaufgaben soll bis...Foto: dpa

Geht es um den Abiturschnitt, gibt es unter den Bundesländern einen Ausreißer nach oben und einen nach unten. In Thüringen erzielten die Abiturientinnen und Abiturienten 2013 eine Durchschnittsnote von 2,17. In Niedersachsen lag sie mit 2,61 fast eine halbe Note darunter. Die anderen Länder sind mit Werten von 2,3 bis 2,4 dicht beieinander (Berlin: 2,44). In Thüringen haben auch besonders viele Schüler eine „Eins“ vor dem Komma (37,8 Prozent), während es im Bundesschnitt nur 23,3 Prozent sind, berichtet der „Spiegel“. Für den Erziehungswissenschaftler Manfred Prenzel, Vorsitzender des Wissenschaftsrats, sagt der Abischnitt daher wenig aus. Er erklärt die Unterschiede auch mit unterschiedlichen „Subkulturen“ bei der Benotung – insgesamt gebe es wenig verlässliche Daten zum Leistungsstand der deutschen Schüler beim Abitur.

Wie vergleichbar ist also das Abitur? Vor der Kultusministerkonferenz (KMK), die am Donnerstag und Freitag in Berlin tagt, hat sich auch die Vorsitzende Brunhild Kurth (CDU) besorgt geäußert. Einzelne Bundesländer hinkten beim Abiturwissen Jahre hinterher, sagte Kurth, die Bildungsministerin in Sachsen ist, der „Leipziger Volkszeitung“. Doch das könnten sich diese Länder „nicht mehr leisten“, wenn die bundeseinheitlichen Bildungsstandards für die gymnasiale Oberstufe durchgesetzt werden. Sie würden gezwungen, die Qualitätsdiskussion künftig „deutlich intensiver“ zu führen. Zu mehr Vergleichbarkeit zu kommen, habe auch etwas mit Chancengleichheit und Gerechtigkeit zu tun, hatte Kurth zuvor in Dresden betont.

Jetzt kommt eine bundesweite Sammlung von Übungs-Aufgaben

Auf einheitliche Bildungsstandards auch für die Oberstufe hatten sich die Länder bereits 2012 geeinigt – für Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch. Standards für die naturwissenschaftlichen Fächer sollen ab 2017 entwickelt werden. In den Bildungsstandards ist festgelegt, welche Kompetenzen die Schüler in den grundlegenden Fächern bis zum Abitur erreicht haben sollen.

Doch wie kommt die von den 16 Ländern getroffene Vereinbarung auch im Unterricht der einzelnen Schulen an? Zum einen will die KMK in Berlin eine Sammlung von alten und neu entwickelten Abituraufgaben beschließen, die vom Berliner Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) anhand der Bildungsstandards überarbeitet wurden. Am Freitag sollen sie auf der Webseite des IQB veröffentlicht werden. Aus ihnen können sich Lehrkräfte bedienen, die ihre Schüler auf das Abitur vorbereiten. Gleichzeitig wird am IQB ein Pool von Abituraufgaben aufgebaut, auf den die Länder erstmals 2017 zugreifen können. Laut KMK haben alle Länder signalisiert, dies auch zu tun.

Die KMK-Chefin will kein Länderranking, sondern Vergleichbarkeit

Zudem gibt es eine feste Verabredung von 14 Ländern, 2017 am gleichen Tag die Mathe-Abiturprüfungen abzunehmen – mit Aufgaben aus dem Pool. Nur Hessen, wo für die Abiprüfungen ein besonders früher Termin festgelegt ist, und Rheinland-Pfalz, wo zwölfeinhalb Jahre bis zum Abitur gelernt wird, können bislang nicht mitmachen.

Noch weiter in Richtung eines einheitlichen Abiturs gehen bislang sechs Länder – Bayern, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen und Schleswig-Holstein – die schon jetzt gemeinsame Abituraufgaben für Mathematik, Deutsch und Englisch verwenden. Brandenburg nahm in diesem Jahr erstmals mit Deutsch teil, Bremen ist ab 2016 mit Deutsch und Mathematik dabei. Mit den Aufgabenpools und den Verabredungen unter den Ländern sieht Kurth die „tatsächliche Einhaltung von Standards beim Abitur“ auf einem guten Wege. „Wir wollen kein Länderranking, sondern eine möglichst große Vergleichbarkeit“, sagte sie am Montag auf Anfrage.

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