Abiturnoten : In Berlin boomt das Einser-Abi

Bundesweit große Unterschiede bei den Abiturnoten offenbart eine neue Statistik der Kultusminister. Berlin sticht mit einem Boom des Einser-Abiturs hervor.

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Schüler sitzen in einem Klassenraum an Einzeltischen vor Aufgabenblättern.
Unterschiede. In Niedersachsen beträgt der Schnitt 2,61, in Thüringen 2,16.Foto: dpa

Abiturienten in Thüringen erzielen die besten Noten, mit einem Schnitt von 2,16 liegen sie bundesweit an der Spitze. Schlusslicht sind die Niedersachsen mit einer Durchschnittsnote von 2,61. Das geht aus der am Dienstag von der Kultusministerkonferenz (KMK) veröffentlichten Notenstatistik für 2014 hervor. Thüringen und Niedersachsen sind allerdings statistische Ausreißer, ansonsten bewegen sich die Noten zwischen 2,31 in Brandenburg und 2,54 in Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein. Berlin kommt auf eine unauffällige Durchschnittsnote von 2,42, liegt etwa auf gleicher Höhe mit Baden-Württemberg, Hamburg und Hessen.

Thüringens Ministerin: "Wir belohnen Leistung"

Durchweg große Unterschiede gibt es bei der Quote der Schüler, die das Abitur nicht bestanden haben. Am niedrigsten ist sie wieder in Thüringen mit nur 1,9 Prozent, gefolgt von Rheinland-Pfalz mit 2,3 Prozent. Am höchsten ist sie in Mecklenburg-Vorpommern mit 6,5 Prozent. Auch in Berlin liegt die Durchfallquote mit 4,6 Prozent eher hoch.

Thüringens Bildungsministerin Birgit Klaubert (Linke) erklärt die guten Abinoten ihrer Landeskinder mit deren Erfolgen auch bei Schulleistungsvergleichen. „Das Thüringer Schulsystem setzt auf Leistung und belohnt sie auch.“

Der Philologenverband sieht die Abiturstatistik als „klaren Beweis föderaler Bildungsungerechtigkeit“. Dass etwa die Differenz der Durchschnittsnoten zwischen Thüringen und Niedersachsen fast einen halben Notengrad betrage, habe erhebliche Auswirkungen auf die Chance, in zulassungsbeschränkte Studiengänge aufgenommen zu werden. Meidinger kritisiert insbesondere eine „Bestnoteninflation“ der vergangenen Jahre.

Zahl der Einser-Abis in Berlin verzehnfacht

Am deutlichsten zeigt sich diese Entwicklung in Berlin. Bei nahezu gleicher Schülerzahl hatten im Jahr 2000 nur 21 Abiturienten die 1,0 erreicht, 2014 waren es 244. Einem zunächst allmählichen Anstieg folgte 2009 – dem ersten Jahr des Zentralabiturs – der große Sprung auf 112 Schüler mit der Bestnote. Danach erhöhte sich die Zahl aber noch weiter: auf 147 in 2013 und zuletzt eben auf 244.

Die gleiche Tendenz sieht man beim Berliner Gesamtschnitt, der zu Zeiten des dezentralen Abiturs stets bei rund 2,7 lag und mit dem Zentralabitur auf rund 2,4 sank. Die Durchfallquote reduzierte sich seither von rund acht auf aktuell 4,6 Prozent.

Die fünfte Prüfungskomponente hebt den Berliner Schnitt

Für die Verbesserung der Noten werden in Berlin zwei Gründe genannt. So weisen anspruchsvolle Gymnasien darauf hin, dass sie vor der Einführung des Zentralabiturs schwierigere Aufgaben gestellt hätten. Zudem verbessert die fünfte Prüfungskomponente – eine Berliner Besonderheit – den Schnitt: Für diese individuelle Präsentationsprüfung werden überwiegend gute und sehr gute Noten vergeben.

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