AhA : Warum beschlagen Scheiben?

Thomas de Padova

Wenn ich im Winter eine Kneipe oder ein Café betrete, tappe ich erst einmal im Dunkeln. Auf meiner Brille setzen sich Wassertröpfchen ab. Die typische Mattscheibe. Brillengläser beschlagen, weil die Wassermoleküle in der Luft dazu tendieren, sich mit ihresgleichen zusammenzuschließen. Sie haben eine positiv und eine negativ geladene Seite und ziehen sich deshalb an. Sie würden ständig Nebeltröpfchen bilden, wenn Zusammenstöße mit anderen Luftmolekülen ihre Verbindungen nicht zum Platzen bringen würden.

Bei tiefen Temperaturen, wenn sich die Luftmoleküle nur noch langsam bewegen, werden Kollisionen selten. Dann entstehen vermehrt Tröpfchen, es kommt zu Nebel in der Luft oder zu Tau auf Oberflächen. „Wenn die Brille fünf Grad kalt ist, bildet sich um sie herum eine entsprechend kalte Luftschicht“, sagt Martin Stohrer, Emeritus der Hochschule für Technik in Stuttgart. „Die Schicht ist nur zwei bis drei Millimeter dünn.“ In dieser Kältefalle sammeln sich Wassermoleküle der warmen Raumluft. Sie bleiben an Vorder- und Rückseite der Brille hängen. Die Moleküle haften allerdings stärker aneinander als am Glas. So entstehen Tröpfchen. „Eine Kugel hat den geringsten Kontakt mit einer nicht aufnahmebereiten Oberfläche“, so der Bauphysiker.

Kalte Scheiben und Wände beschlagen dort, wo die Luft feucht ist. Gerade wenn wir uns nach dem Bad vor dem Spiegel föhnen oder im Winter mit dem Auto losfahren möchten, nimmt uns das kondensierte Wasser die Sicht. Wer den Spiegel mit dem Föhn aufwärmt, wird die Tröpfchen schnell los. Aber erst durchs Lüften verschwindet die Feuchtigkeit aus dem Raum. Man kann die Tröpfchen auch mechanisch zerstören, indem man über die beschlagene Scheibe wischt. Die Wassermoleküle verbinden sich dann zu einem großflächigen Wasserfilm. Und der ist durchsichtig. Thomas de Padova

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