AhA : Warum bleibt der Induktionsherd kalt?

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Jeder Herd erzeugt Wärme. Wie das geschieht, ist in modernen Küchen nicht mehr leicht einzusehen. Die Küchenphysik hat auch für Forscher überraschende Wendungen genommen. Nur durch Zufall entdeckte der Amerikaner Percy Spencer die Wärmewirkung der Mikrowellenstrahlung. Während er mit Radargeräten experimentierte, soll ein Schokoriegel in seiner Tasche geschmolzen sein. Spencer ging der Sache nach. Mikrowellenstrahlung versetzt die Wassermoleküle in Speisen in Vibrationen, das Essen erwärmt sich. Im Gegensatz dazu erhitzt ein Induktionskochfeld nicht unmittelbar das Essen, sondern den Topf. Und zwar nur einen Metalltopf, der magnetisch ist.

Von außen sieht ein Induktionskochfeld aus wie ein Ceranfeld. Doch fängt hier keine Platte rot zu glühen an. „Unter der Glaskeramik befindet sich eine flache Spule“, sagt Nando Kaminski vom Institut für elektrische Antriebe, Leistungselektronik und Bauelemente der Uni Bremen. Durch die Spule fließt ein Wechselstrom hoher Frequenz. „Dieser Strom erzeugt ein Magnetfeld rund um den aufgewickelten Draht.“

Die Glaskeramik des Herds reagiert nicht auf das magnetische Wechselfeld. „Sie ist nicht magnetisch und nicht elektrisch leitend und bleibt kalt.“ Anders der Topf. Die Magnetfeldlinien bündeln sich im Topfboden. Er wird von Wirbelströmen durchsetzt und umso stärker aufgeheizt, je größer der elektrische Widerstand des Topfmaterials ist. In der Elektrotechnik war diese Wärmeabgabe lange bekannt: Transformatoren heizen sich beim Betrieb auf.

Gegenüber Elektroherd und Ceranfeld bietet der Induktionsherd einige Vorteile. Man verbrennt sich nicht an der Platte, was überkocht, brät nicht an. Außerdem spart man Energie und Zeit, da der Topf selbst die Kochplatte ist. So siedet Nudelwasser im Nu. Die Spaghetti können schon nach der Hälfte der Zeit in den Topf.

Bisher sind Induktionsherde vergleichsweise teuer. Und nicht alle Töpfe eignen sich dafür. Das Material muss einen hohen elektrischen Widerstand haben und magnetisch sein. Dann sperrt es sich gegen die ständigen Ummagnetisierungen im Wechselfeld, es entsteht zusätzliche Wärme. Etwa bei Kesseln aus emailliertem Eisen oder gusseisernen Pfannen. Thomas de Padova

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