AhA : Warum hat Alufolie zwei verschiedene Seiten?

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Lange bevor Hans Geiger den Geigerzähler erfand, saß er in seinem Labor und zählte Lichtblitze. Er wollte herausfinden, was mit winzigen Partikeln geschieht, die eine Gold-, Silber- oder Alufolie durchqueren. Ein ermüdendes Geschäft! Fast alle Alphateilchen flogen geradewegs durch Blattgold hindurch. Nur ab und an blitzte es in größerem Winkelabstand. Eins von 100 000 Partikeln wurde stark abgelenkt, weil es mit dem Kern eines Goldatoms kollidiert war. Zwischen den Kernen war der Raum offenbar leer.

Die Entdeckung, dass ein Atomkern nicht mehr Platz im Atom einnimmt als eine Fliege in einer Kathedrale, erregte vor 100 Jahren Aufsehen. Sie verdankt sich dem Umstand, dass man Metalle verformen und zu Folien auswalzen kann. Goldfolie etwa lässt sich in einer Stärke von nur 100 Atomlagen herstellen. Ein Metall wie Aluminium wird mit Stahlwalzen zu Folien verarbeitet. Sie pressen das Rohmaterial zusammen, bis es so dünn wird wie ein menschliches Haar. Solche 0,04 Millimeter, also 40 Mikrometer dünnen Aluminiumbänder eignen sich für Joghurtdeckel und ähnliche Produkte.

„Bis zu dieser Dicke kann Aluminium aus einem Stück gewalzt werden“, erläutert Guido Aufdemkamp vom Europäischen Aluminiumfolienverband EAFA. Haushaltsfolien aber sind noch drei Mal dünner.

Um derart dünne Folie zu gewinnen, legt man zwei Alubänder aufeinander und schickt sie gemeinsam durch die Walze. Trennt man sie danach wieder voneinander, sehen ihre Seiten unterschiedlich aus. „Die Seite, die Kontakt mit der Stahlwalze hatte, glänzt.“ Wo Aluminium auf das weiche Aluminium stieß, ist die Oberfläche dagegen matt.

Die polierte Alufolienseite reflektiert mehr Licht und auch mehr Wärmestrahlung. Wer sein Essen warm halten möchte, könnte daher auf den Gedanken kommen, dass es günstiger ist, die reflektierende Seite nach innen zu wenden. Doch für den Alltagsgebrauch spielten die minimalen Unterschiede keine Rolle, betont der Aluexperte. Matt oder glänzend? Die Frage stellt sich allenfalls, wenn gekennzeichnet werden soll, in welcher Verpackung sich der Döner mit Kräuter- und der mit Knoblauchsoße befindet. Thomas de Padova

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