AhA : Warum hört man sich auf Tonband so fremd an?

Thomas de Padova

Der Spruch auf dem Anrufbeantworter klingt, als wäre er nicht von mir. Ich dachte, meine Stimme wäre tiefer. Meine Frau sagt, ich spreche immer so. Sie hört mich anders als ich mich. Denn der Schall erreicht unser Ohr auf verschiedenen Wegen.

Der durch die Luft übertragene Schall gelangt über die Ohrmuschel zum Trommelfell. Diese trichterförmige Membran überträgt die Schwingungen nicht direkt an die Lymphflüssigkeit des Innenohrs, weil sonst fast der gesamte Schall an der Grenzfläche reflektiert würde wie an einer Schallschutzmauer. Stattdessen ist das Trommelfell an ein Knöchelchen angewachsen, den Hammer. Er leitet die Vibration über Gelenke an Amboss und Steigbügel weiter. Letzterer ist mit nur drei Milligramm Gewicht der kleinste Knochen unseres Körpers. Die Platte an seinem Ende, auf die nun die gesamte Kraft wirkt, ist winzig. Der Schalldruck am Innenohr ist dadurch erheblich höher als der Druck, der das Trommelfell in Schwingung versetzt. Diese Verstärkung macht unser Ohr so empfindlich. Das lauteste erträgliche Geräusch ist mehr als eine Million Mal lauter als die leisesten wahrnehmbaren Töne.

Das Innenohr zerlegt den Schall in seine Frequenzen. Die Schwingungen der Lymphflüssigkeit reizen unter anderem die Haar-Sinneszellen entlang der Gehörschnecke (Cochlea). Hohe Frequenzen werden am Eingang registriert, tiefe Töne erregen das Ende der Windung. So ist jeder Frequenz, wie auf einer Tonleiter, ein Platz zugeordnet.

Wenn wir selber sprechen, leiten auch unsere Knochen den Schall. „Beim Sprechen schwingt der Schädel mit“, sagt Gerald Fleischer, Leiter der Hörforschung an der Uni Gießen. Auch diese Schwingungen erreichen die nur kaffeebohnengroße Hörschnecke. „Sie haben sehr große Wellenlängen und drücken auf die kleine Cochlea.“ Sie wird von den Druckwellen komprimiert und auseinandergezogen. Auch dadurch entsteht ein Höreindruck. Er fehlt, wenn wir die eigene Stimme auf einem Tonträger hören. Das kann für Menschen, die viel mit ihrer Stimme arbeiten, irritierend sein. Kabarettisten, die Stimmen anderer imitieren, hören sich das Ergebnis schon mal auf Band an, um mitzukriegen, was beim Publikum ankommt. Thomas de Padova

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