AhA : Warum ist man im Auto vor Blitzen sicher?

Metalle leiten den elektrischen Strom gut. Auch Pkw haben eine elektrisch leitende Hülle. Trotzdem tut man gut daran, sich ins Auto zurückzuziehen, wenn ein Gewitter kommt.

Thomas de Padova

Zum ersten Mal traf es sie im September 1983 vor dem Postamt in Fort Lauderdale in Florida. Zehn Jahre später schlug das Schicksal wieder zu. Während sie telefonierte, entlud sich ein Blitz über die Telefonleitung. Linda Cooper hat vier Blitzschläge überlebt. Etwa jedes zehnte Blitzopfer hat weniger Glück und stirbt an den Folgen.

Bei einem Gewitter bauen sich zwischen Wolken und Erdboden elektrische Spannungen von etlichen Millionen Volt auf. Sie entladen sich plötzlich. Die in den Wolken getrennten Ladungsträger breiten sich im Blitzkanal entlang des geringsten elektrischen Widerstands aus, im Zickzackkurs. In Bodennähe suchen sie sich dann geeignete Einschlagpunkte wie herausragende Bäume, Masten oder Blitzableiter auf hohen Gebäuden.

Metalle leiten den elektrischen Strom gut. Auch Pkw haben eine elektrisch leitende Hülle. Trotzdem tut man gut daran, sich ins Auto zurückzuziehen, wenn ein Gewitter kommt. „Das Auto mit seiner geschlossenen Karosserie ist ein Faraday’ scher Käfig“, sagt Wilfried Kalkner, Leiter der Fachgebiets Hochspannungstechnik an der TU Berlin. „Wenn es getroffen wird, geht der Blitz in die metallische Hülle, sucht sich den Weg des geringsten Widerstands bis zu den Felgen und überschlägt den kurzen Abstand zum Boden.“ Der Strom fließt also außen herum, im Innern des Käfigs ist man sicher. „Selbst in Cabriolets mit Textilverdeck“, betont er. Das Verdeck wird nämlich meist von einem Gestänge gehalten.

Ein Blitz schlägt in Bruchteilen einer Sekunde ein. Die Spannung ändert sich so schnell, dass der fließende Strom ähnliche Eigenschaften aufweist wie ein Wechselstrom hoher Frequenz: Es werden magnetische Felder und Wirbelströme induziert. Sie hemmen den Stromfluss im Innern des Leiters und begünstigen ihn an der Oberfläche. So fließt der Strom vornehmlich außen ab. Wenn ein Mensch vom Blitz getroffen wird, geschieht das über nasse Kleider oder die Haut, nicht aber durch den Körper. Die meisten Blitzopfer überleben daher trotz Verbrennungen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben