AhA : Warum machen Böhnchen Tönchen?

Thomas de Padova

In der Wissenschaft kann man sich um keine Frage herumdrücken. Rerum cognoscere causas – wissen, woher der Wind weht. So haben sich Ärzte, Biologen und sogar Philosophen auch der Flatulenz gewidmet. Im Fall der Bohnen lassen sich die Forschungsergebnisse folgendermaßen zusammenfassen:

Bohnen sind Pflanzensamen. Sie können längere Zeit in ausgetrocknetem Zustand überdauern und keimen erst bei Wasserkontakt. Austrocknung und Keimung sind strapaziöse Prozesse. „Spezielle Raffinose-Zucker stabilisieren die Zellen und ihre Membranen während der Austrocknung“, sagt Andreas Richter vom Department für Chemische Ökologie der Uni Wien. „Bei der Keimung können die Zucker dann sehr schnell als Energiequellen mobilisiert werden.“ Die Crux: Für uns sind die Raffinose-Zucker unverdaulich. Dem Menschen, aber auch Tieren wie Hühnern fehlen die Enzyme, um diese Zucker abzubauen.

Die Raffinose-Zucker gelangen also unverdaut in den Dickdarm. Dort machen sich Bakterien über die Süßspeise her. Sie erzeugen dabei Kohlendioxid und andere Gase. Dass bei der Verdauung Gase entstehen, ist völlig normal. Aber der hohe Ballaststoffanteil der Bohnen sorgt für eine sehr ausgeprägte Gasbildung und Darmmotorik.

Die proteinreichen Bohnen spielen vor allem in der Dritten Welt eine wichtige Rolle in der Ernährung. Forscher versuchen, den Gehalt an Raffinose-Zucker durch Züchtung und Gentechnik zu reduzieren. Laut Richter ist aber auch das eine windige Angelegenheit, denn: „Die so erzeugten Samen sind für die weitere Aussaat nicht mehr so gut geeignet.“ Thomas de Padova

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