Aktionsrat Bildung : Masterplan für Bildung von Flüchtlingen gefordert

Der Aktionsrat Bildung fordert einen Masterplan für die Integration von Flüchtlingen und Migranten. Kitas, Schulen und Hochschulen spielen dabei eine Schlüsselrolle.

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Frühes Fördern. Der Aktionsrat Bildung fordert, eine Kitapflicht für Flüchtlingskinder im Vorschulalter zu prüfen.
Frühes Fördern. Der Aktionsrat Bildung fordert, eine Kitapflicht für Flüchtlingskinder im Vorschulalter zu prüfen.Foto: dpa

Flüchtlingskinder sollten in den Grundschulen schneller als bisher in Regelklassen aufgenommen werden, die Lehrerbildung insgesamt reformiert werden, um Lehrkräfte auf die Arbeit mit Zuwanderern vorzubereiten. Das sind zwei von zahlreichen Forderungen, die der „Aktionsrat Bildung“ zur besseren Integration von Flüchtlingen und Migranten aufstellt. Der Aktionsrat, ein Expertengremium im Auftrag der bayerischen Wirtschaft, setzt sich für einen „Masterplan zur Bildungsintegration“ ein, die Vorschläge wurden am Dienstag veröffentlicht. Dem Gremium gehören unter anderem die Erziehungswissenschaftler Dieter Lenzen, Präsident der Universität Hamburg, und der Bildungsforscher Wilfried Bos, Leiter mehrerer internationaler Schulstudien, an.

Lenzen erklärte, die Integration durch Bildung sei „die mit Abstand wichtigste Bildungsaufgabe in der Geschichte der Bundesrepublik“. Das Gutachten spricht von einer „epochalen Herausforderung“. Um diese meistern zu können, müssten sich die Anstrengungen vor allem auf die Gruppe der Flüchtlinge und Asylsuchenden mit einer hohen Bleibeperspektive konzentrieren.

Der Bund müsse diesen Flüchtlingen staatliche Förderinstrumente ohne lange Wartezeiten zugänglich machen und den Arbeits- und Ausbildungsmarkt unbürokratisch für sie öffnen, heißt es. Koordinierte Einrichtungen von Bund und Ländern sollten ausgebaut werden, um ausländische Zertifikate und Abschlüsse einfacher als bisher zu prüfen.

Schnellere sprachliche Integration in Regelklassen

Handlungsbedarf sehen die Experten auch in der Schule. Sie plädieren dafür, Flüchtlingskinder gerade in den Grundschulen sofort in den normalen Klassenverband aufzunehmen, anstatt sie zunächst wie derzeit oft üblich in Übergangsklassen gehen zu lassen. In gemischten Klassen gelinge die sprachliche und kulturelle Integration schneller. In weiterführenden Schulen sollten Flüchtlinge dagegen in Vorbereitungsklassen zunächst Deutsch lernen, dann aber schnell in reguläre Klassen wechseln. Das alles setze aber voraus, dass Zuwandererfamilien breit über das Land verteilt sind, um die Zahl der Geflüchteten in den einzelnen Klassen nicht zu sehr ansteigen zu lassen. Das Gremium schlägt zudem vor, für Flüchtlingskinder im Vorschulalter eine Kita-Pflicht zu prüfen.

Nun hängt bei der Integration von Flüchtlingen auch einiges an den Pädagogen und Lehrkräften. Deren Kenntnisse über fremde Kulturen, Sprachen und Religionen müssten in Fortbildungen erweitert werden. Überhaupt seien „alle Anstrengungen zu unternehmen, damit Menschen mit Migrationshintergrund zukünftig wie selbstverständlich als Bildungspersonal eingesetzt werden“, heißt es. Diese würden als „Role-Models“ für zugewanderte Kinder und Jugendliche eine wichtige Rolle spielen.

Die Lehrerbildung muss verändert werden

Insgesamt sieht der Aktionsrat hier auch die Universitäten in der Pflicht, die Lehrerbildung mit Blick auf eine diversere Schülerschaft zu verändern. Das Gutachten fordert eine „grundlegende Revision der Curricula“ in der Lehrer- und Pädagogenausbildung – auch um dem Umstand gerecht zu werden, dass in einigen Bildungseinrichtungen der Anteil zugewanderter Kinder bereits höher ist als der mit einer deutschen Herkunft. Lehrkräfte müssten ihren Unterricht besser binnendifferenzieren können und mehr Kenntnisse erwerben, wie man Deutsch als Fremdsprache unterrichtet. Interkulturelles Wissen gehöre ebenso wie interreligiöses Wissen zu einer modernen Lehrkräftebildung.

Das Gutachten gibt zudem Empfehlungen für ehrenamtlich Engagierte – und auch an die Medien. Die öffentlich-rechtlichen Sender sollten ihren gesetzlichen Bildungsauftrag erfüllen, indem sie Sprachlernmöglichkeiten anbieten. Mit Unterstützung des Staates sollten das auch private Medien leisten – Tageszeitungen könnten etwa Online-Sprachlernseiten aufsetzen.

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