Wissen : Alles strömt zu Foster

Ärger über Platzkarten an FU-Bibliothek

Günter Bartsch

„Was studieren Sie?“ – Dieser Frage muss sich stellen, wer in diesen Tagen die Philologische Bibliothek der Freien Universität betreten möchte. Noch bis 22. Februar dauert die wegen „nicht ausreichender Arbeitsplatzkapazität“ verhängte Zugangsbeschränkung, die zum Ärger anderer Studierender Philologen und Geisteswissenschaftler bevorzugt. Am Eingang stehen zwei FU-Mitarbeiter, die mitunter genervten Gesichtern entgegenblicken. Dabei haben Frühaufsteher noch Glück: Ab neun Uhr gibt es 200 Platzkarten auch für Nichtphilologen, sofern sie der FU angehören.

„In der wirtschaftswissenschaftlichen Bibliothek sind noch Plätze frei“, teilt ein Anschlag an der Glasfront der Philologischen Bibliothek mit. Für Hendrik Behrens und Mitja Wirschky ist das ein schwacher Trost: „Es gibt nirgends eine bessere Lernatmosphäre als hier“, sagt Wirschky, der an der FU Betriebswirtschaft studiert. Er hätte auch noch eine Platzkarte ergattert, doch sein Kumpel Hendrik Behrens studiert an der Fachhochschule für Wirtschaft – und muss daher draußen bleiben. So geht es zurzeit vielen Studierenden, die den Bau des Architekten Norman Foster betreten und an einem der 650 Plätze lesen wollen.

In der vergangenen Sitzung des Akademischen Senats hatte FU-Vizepräsidentin Ursula Lehmkuhl die Zugangsbeschränkung mit Beschwerden über Ruhestörungen und Überfüllung der Bibliothek begründet: Die Bibliothek sei „zum überwiegenden Teil“ von Studierenden der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften benutzt worden. Die Philologen selbst seien nicht mehr in der Lage gewesen, ihre Arbeiten in der Freihandbibliothek angemessen zu bewerkstelligen – unter anderem, weil sie durch Lerngruppen anderer Fächer gestört worden seien.

Hendrik Behrens und Mitja Wirschky können das nicht nachvollziehen. Sie selbst seien ja an einer ruhigen Lernatmosphäre interessiert und reichten sich allenfalls einen Zettel zu, um zu kommunizieren. Besondere Störungen durch andere hätten sie nicht wahrgenommen. Wenn es Lerngruppen in der Bibliothek gegeben haben sollte, sei das „nicht in Ordnung“ – dafür gebe es entsprechende Räume am Fachbereich, meinen die BWL-Studenten. Doch deshalb müsse ja nicht gleich der Zugang zur Bibliothek beschränkt werden. Zumal er immer einen freien Platz gefunden habe, meint Mitja Wirschky – auch in Stoßzeiten. Dass es trotzdem Beschwerden gebe, erklärt er sich so: „Natürlich ist es angenehmer, in einer leeren Bibliothek zu arbeiten.“

Die wirtschaftswissenschaftliche Bibliothek sei keine Alternative: Dort sei es viel unruhiger als in der Phil-Bibliothek, wo man nur neben- und nicht hintereinander sitze. Vizepräsidentin Lehmkuhl lässt das nicht gelten: Auch andere Bibliotheken böten gute Arbeitsbedingungen. Sie seien teilweise modernisiert, die Universitätsbibliothek sogar mit einer Klimaanlage ausgestattet worden.

Neben den Platzkarten gibt es für Nichtphilologen auch während der Zeit der Zugangsbeschränkung Möglichkeiten, die Philologische Bibliothek zu nutzen – etwa für FU-Mitglieder, die nachweislich auf die dort vorhandenen Medieneinheiten angewiesen sind. Ohne Platzbeschränkungen bleibt die Philologische Bibliothek montags bis freitags von 17 bis 22 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 10 bis 17 Uhr zugänglich. Günter Bartsch

Näheres im Internet unter:

www.fu-berlin.de/bibliothek/philbib/news/zugangsbeschraenkung.html

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