Amerikanische Faulbrut : Auf der Spur der faulen Brut

Berliner Forscherin entschlüsselt den Verlauf einer gefährliche Bienenkrankheit. Jetzt lässt sich die Infektion effektiv bekämpfen.

Roland Knauer

Kaum ein Ereignis schockt einen Imker so sehr wie der Fund einer schleimigen Masse in den Waben, in denen er die Larven seines Bienenvolkes vermutet hat. „Amerikanische Faulbrut“ heißt die Infektion, mit der die Honigbienen selbst nicht mehr fertig werden. Der Amtstierarzt muss Maßnahmen anwenden, wie sie etwa auch bei der Rinderkrankheit Maul- und Klauenseuche notwendig sind.

So wird die gesamte Brut und oft auch das Bienenvolk vernichtet und drei Kilometer um den Stock herum ein Sperrbezirk eingerichtet. Das war bisher die einzige Chance, einen Ausbruch der weltweit verbreiteten Amerikanischen Faulbrut einzugrenzen. Doch seit ein Team um Elke Genersch, Forscherin an der Freien Universität Berlin und am Länderinstitut für Bienenkunde im brandenburgischen Hohen Neuendorf, den Verlauf der Bienenkrankheit aufgedeckt hat (Environmental Microbiology, Online-Publikation), hoffen die Imker auf bessere Alternativen.

Bisher nahmen Bienenforscher an, der Krankheitserreger Paenibacillus larvae ernähre sich ausschließlich vom Gewebe der Bienenlarven. Die Bakterien fräßen also die Larven von innen heraus auf, bis nur noch faulender Schleim übrig bleibt. In Deutschland enthalten nun knapp ein Zehntel aller Bienenstöcke Sporen des Erregers, ohne dass die Krankheit bereits sichtbar ist. Auch in solchen Fällen ordnete der Amtstierarzt bisher an, die Waben mit der gesamten Brut zu vernichten. Nur die erwachsenen Bienen und die Königin durften überleben und konnten in einem neuen Stock wieder völlig von vorn anfangen. Da Bienen sich eifrig putzen, sind die Chancen gut, dass sie bis zum Schlüpfen der ersten Brut alle an ihrem Körper haftenden Bakteriensporen abgebürstet haben.

Als die Forscher nun die Infektion genauer unter die Lupe nahmen, stellte sich bereits die Annahme eines „fleischfressenden Bakteriums“ als falsch heraus. So zeigten Genersch und ihre Kollegen, dass die Mikroorganismen sich auch mit Zucker ernähren können. Mit der kurz „FISH“ genannten Methode der Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung wollten die Forscher nun herausfinden, wo die Bakterien im Gewebe der Bienenlarven stecken. Dabei entdeckten sie Paenibacillus larvae auch in anscheinend gesunden Larven. Dort fraßen sich die Mikroorganismen nicht durch das Fleisch, sondern lebten einfach im Darm.

Damit war erstmals ein wichtiger Schritt des Infektionswegs aufgedeckt. Sobald eine Bienenlarve aus dem Ei schlüpft, versorgt eine junge Biene sie mit allem Lebensnotwendigen. Unter anderem gibt es auch Honig für die Larven, den ältere Bienen vorher aus Blütennektar erzeugt haben. Manchmal kaufen Imker jedoch billigen Importhonig, um ihre Völker in Zeiten mit wenigen Blüten über die Runden zu bringen.

Außerhalb Europas darf die Amerikanische Faulbrut mit Antibiotika behandelt werden. Dann stirbt zwar der Erreger, doch seine Sporen finden sich im Honig. Das ist eigentlich kein Problem, weil Paenibacillus larvae für Menschen nicht gefährlich ist. Doch für die Bienen wird es gefährlich, wenn sie mit dem Honig gefüttert werden. Dann werden ihre Larven mit den Bakteriensporen infiziert.

Im Mitteldarm der Bienenlarven entwickeln sich dann die Bakterien und ernähren sich vom reichen Angebot, das die Ammenbienen ihren Larven einflößen. Die Mikroorganismen vermehren sich rasant, bis der Darm prall mit Bakterien angefüllt ist und platzt. Erst jetzt fressen sich die Mikroorganismen durch die sterbende oder bereits tote Larve nach draußen, um andere Larven infizieren zu können. Einmal aus dem Leib, vertrocknen sie zu Sporen, die Jahrzehnte bis zur nächsten Infektion überdauern können.

Ammenbienen erkennen jedoch, ob eine Larve bereits durch in ihr wachsende Bakterien geschwächt ist und entfernen diese Brut aus dem Stock. Schreitet die Infektion aber zu schnell voran, kommen die Bienen einfach nicht mehr nach und die Brut beginnt zu verfaulen.

Im Lichte dieser Ergebnisse schlägt Elke Genersch zwei Maßnahmen zur Bekämpfung der Amerikanischen Faulbrut vor. Da sich die Larven über das Futter der Ammenbienen infizieren, sollte der Honigvorrat, den die Bienen für Ammen und Larven im Stock anlegen, regelmäßig kontrolliert werden. Finden sich dort Sporen könnte man rasch eingreifen.

Obendrein hängt es auch von der Art des Honigs ab, wie gut die Sporen gedeihen. Die Zusammensetzung des Honigs ändert sich mit den Blüten, an denen die Bienen sich bedienen. Nun müssen die Forscher nur noch Honigarten finden, bei denen Paenibacillus larvae schlechter wächst. Wird dieser Honig an die Larven verfüttert, gibt es berechtigte Hoffnung, dass die Ammenbienen mit einer beginnenden Infektion leichter fertig werden könnten.

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