Atlantis-Mission : Raum für Experimente

Heute fliegt der deutsche Astronaut Hans Schlegel zur ISS – mit einem nagelneuen Weltraumlabor. Das Projekt war begleitet von Pleiten, Pech und Pannen.

Rainer Kayser
Schegel
Es ist soweit. Thomas Schlegel, der deutsche Astronaut, startet zur ISS. -Foto:: ddp

Für Hans Schlegel ist es die wohl wichtigste Mission seines Lebens. Der deutsche Astronaut fliegt heute nicht zum ersten Mal ins All. Aber diesmal geht es um etwas Besonderes: Die Raumfähre Atlantis transportiert das Weltraumlabor Columbus zur internationalen Raumstation ISS. Und damit beginnt eine neue Ära für die europäische Raumfahrt. Jahrelang haben Wissenschaftler überall in Europa auf diesen Start gewartet, nun fiebern sie ihren Versuchen entgegen.

Columbus ist das Kernstück der europäischen Beteiligung an der ISS. Innerhalb von zehn Jahren sollen in dem Labor Tausende von Experimenten unter anderem in den Bereichen Medizin, Biologie, Materialwissenschaften und Flüssigkeitsdynamik durchgeführt werden. Bei einem Durchmesser von 4,5 und einer Länge von 6,9 Metern bietet das 13 Tonnen schwere Weltraumlabor insgesamt 75 Kubikmeter Platz. Unter der Federführung von EADS Space Transportation in Bremen waren 41 Firmen aus 14 Ländern an Entwicklung und Bau des 880 Millionen Euro teuren Weltraumlabors beteiligt.

Das Projekt hat eine lange Geschichte von Pannen und Konflikten hinter sich. Eigentlich sollte das Weltraumlabor schon früher ins All. Diese Pläne zerschlugen sich, als am 1. Februar 2003 die Raumfähre „Columbia“ explodierte. Im Laufe der Zeit wurde das Projekt nach Krisen und Streit unter den beteiligten Ländern, Firmen und Forschern immer weiter abgespeckt.

Bis zu drei Astronauten können gleichzeitig in dem Labor arbeiten. Die Experimente sind dabei in insgesamt zehn standardisierten, schrankförmigen Bauelementen an den Außenwänden des Moduls untergebracht. Aus Gewichtsgründen konnte die Raumfähre zunächst allerdings nur vier Experimentalschränke mit Columbus zusammen ins All befördern, weitere Versuchseinrichtungen folgen dann bei weiteren Missionen zur ISS.

Gleich beim ersten Flug dabei ist „GeoFlow“, ein unter Federführung der Technischen Universität Cottbus entwickeltes deutsch-französisch-britisches Experiment. Es soll den Wissenschaftlern neue Erkenntnisse über die Strömungen im flüssigen Kern der Erde liefern. „Nur in der Schwerelosigkeit ist es möglich, solche Strömungen in einem realistischen Modell zu untersuchen“, sagt Christoph Egbers, der Leiter des Teams.

Doch bevor es mit den Forschungen losgehen kann, muss das Labor erst einmal betriebsbereit gemacht werden. Dabei spielt auch der 56-jährige Weltraumveteran Schlegel eine wichtige Rolle. 1993 war Schlegel das erste Mal im All. Während des zehntägigen Fluges der später spektakulär verunglückten Raumfähre „Columbia“ führte der Raumfahrer zahlreiche Experimente im europäischen „Spacelab“ durch. Bei der deutschen Mir-Mission im Jahr 1997 kam Schlegel dann nicht zum Zuge – den Zuschlag erhielt sein Kollege Reinhold Ewald.

Umso mehr freut sich der siebenfache Vater nun über seinen Flug zur Internationalen Raumstation. Dabei ist Schlegel an den beiden mehrstündigen Außeneinsätzen beteiligt, mit denen Columbus für das Andocken an die ISS vorbereitet wird.

Nach Abschluss der Montagearbeiten kehrt die Raumfähre mit ihrer Besatzung, darunter auch Schlegel, zur Erde zurück. Drei an Bord der ISS bleibende Astronauten schalten dann im Verlauf von mehreren Wochen Stück für Stück die einzelnen Experimentiereinrichtungen ein und prüfen sorgfältig ihre Betriebsfähigkeit. Erst danach übernimmt das Columbus-Kontrollzentrum im deutschen Oberpfaffenhofen die Kontrolle über das Weltraumlabor. Insgesamt 75 Wissenschaftler und Ingenieure stehen dort ständig bereit, um die europäischen Experimente auf der ISS zu steuern und zu überwachen.

Der große Vorteil von Columbus liegt in der Möglichkeit, Astronauten aktiv in die Experimente eingreifen zu lassen: Es ermöglicht Forschung in der Schwerelosigkeit nahezu unter den Bedingungen eines irdischen Laboratoriums. Egbers: „Wenn wir bei unserem Experiment auf etwas Interessantes stoßen, kann ein Astronaut – wie ein Laborassistent auf der Erde – die Einstellungen verändern.“

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