Bauvorhaben : Neue Räume für die Humboldt-Uni

In Berlin-Mitte soll ein Zentrum für Lebenswissenschaften entstehen. Der Neubau an der Charité soll 35 Millionen Euro kosten.

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HU-intern aufgrund seiner Form auch "Amöbe" genannt: So sieht der geplante Bau für die HU-Biologen aus.
HU-intern aufgrund seiner Form auch "Amöbe" genannt: So sieht der geplante Bau für die HU-Biologen aus.Modell: Bodamer Architekten

Eine „Amöbe“ soll sich am Fuß des Bettenhauses der Charité in Mitte niederlassen. Diesen Spitzennamen trägt jedenfalls in der Humboldt-Universität (HU) der Entwurf für ein neues Forschungsgebäude der Biologen – wegen der ungewöhnlichen, geschwungenen Form des Hauses. Das Haus soll bis 2015 gebaut werden und ist Teil eines großen Zentrums für die Lebenswissenschaften, das auf dem „Campus Nord“ entstehen soll, wie das Areal am Charité-Hochhaus genannt wird. Die HU will sich dabei mit der Charité und dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) zusammentun, die drei Einrichtungen stellten jetzt ihre Pläne vor.

Die HU allein veranschlagt für die benötigten Neubauten mit Forschungsflächen und Laboratorien 35 Millionen Euro. Das Max-Delbrück-Centrum, das seinen Schwerpunkt bisher in Berlin-Buch hat, schätzt die Kosten für eine neue Dependance auf dem Campus Nord auf 30 Millionen Euro. Walter Rosenthal, wissenschaftlicher Vorstand des MDC in Buch, begründet das Engagement damit, dass eine strategische Partnerschaft mit der Charité bestehe. Außerdem könne die unmittelbare Nachbarschaft zur Charité und der Humboldt-Universität eine engere Kooperation der Molekularmedizin und der Theoretischen Biologie mit dem Bernstein-Zentrum ermöglichen, das die Funktionsweise des menschlichen Gehirns erforscht. Entscheidend ist für die moderne Hirnforschung auch die Zusammenarbeit mit Informatikern und Mathematikern.

HU-Präsident Jan-Hendrik Olbertz hofft, dass die beiden Neubauten vom Berliner Senat mit Priorität versehen werden. Das dürfte nicht leicht sein, weil allein die Renovierungskosten für das Bettenhochhaus der Charité und für das Klinikum Benjamin Franklin mehrere hundert Millionen Euro in den nächsten Jahren verschlingen werden.

Der Schwerpunkt Lebenswissenschaften spielt auch eine entscheidende Rolle im Zukunftskonzept der HU im Elitewettbewerb. Sollte die HU damit nicht reüssieren, soll dennoch an dem Campus Nord festgehalten werden. „Nur wird es dann schwerer und weit langsamer gehen“, erklärte Olbertz.

Die Wissenschaftler erhoffen sich von der erleichterten Kooperation Fortschritte bei der Erforschung von Krebskrankheiten, Schlafstörungen und Virusinfektionen. Der Campus Nord umfasst 80 000 Quadratmeter und ist bisher von schönen alten Gebäuden geprägt, die zum Teil noch Ende des 18. Jahrhunderts erbaut wurden. Zum Beispiel das anatomische Theater, das der Architekt des Brandenburger Tors, Carl Gotthard Langhans, vor mehr als 200 Jahren entworfen hat. Das Museum für Naturkunde ist in der Nähe, ebenso das Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie und das Deutsche Rheumaforschungszentrum.

Die strategische Partnerschaft der HU mit der Helmholtz-Gemeinschaft, deren Institute zu 90 Prozent vom Bund finanziert wird, zeigt sich auch in Adlershof. Dort hat Olbertz eine Vereinbarung über eine Zusammenarbeit mit dem Helmholtz-Zentrum für Materialien und Energie unterzeichnet. Labore der Einrichtungen wollen kooperieren. Uwe Schlicht

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