Behandlung von Ebola : Glück im Unglück

Nicht das Blut der Überlebenden, sondern ein Malaria-Medikament hilft gegen Ebola.

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Behandlungsversuch. Ebola-Überlebende spendeten Kranken ihr Blut.
Behandlungsversuch. Ebola-Überlebende spendeten Kranken ihr Blut.Foto: dpa

Die Hoffnung war groß, die Enttäuschung noch größer: Das Blutplasma von Überlebenden kann allem Anschein nach Ebola-Patienten nicht vor dem Tod bewahren. Stattdessen hat sich durch Zufall ein Anti-Malaria-Mittel als schützend erwiesen. Diese vorläufigen Ergebnisse präsentieren zwei Teams im Fachmagazin „New England Journal of Medicine“.

Wer Ebola übersteht, dessen Immunsystem hat Antikörper gegen das Virus gebildet. Eine Infusion mit Blut oder Blutplasma von Überlebenden sollte daher den Kranken helfen. Früher bekämpften Ärzte so zum Beispiel Infektionen mit Mumps oder Diphtherie. Das sei vielversprechend, befand die Weltgesundheitsorganisation WHO im Herbst 2014. Billiger als die meisten experimentellen Wirkstoffe und Nachschub ist vor Ort erhältlich. Spender verschifften sofort Busse mit der nötigen Technik nach Westafrika.

Fast 100 Kranke wurden mit dem Blut Geheilter behandelt

Doch die Logistik war kompliziert, die Einstellung der Bevölkerung zu Blutspenden von Traditionen geprägt. Blut gilt als Symbol der Stärke. Dass die Überlebenden etwas davon abgaben, war nicht selbstverständlich. Einzig in Guineas Hauptstadt Conakry konnten von Februar bis August 2015 fast 100 Kranke mit jeweils 400 bis 500 Millilitern Blutplasma behandelt werden. Als Vergleichsgruppe diente das Schicksal von fast 420 Patienten, die fünf Monate zuvor in dem Zentrum von „Ärzte ohne Grenzen“ gepflegt worden waren. Ein Kompromiss, weil keinem Patienten die Infusion vorenthalten werden sollte. Als die Forscher bei der Auswertung der Krankenakten für das Überleben wichtige Umstände wie Viruslast und das Alter der Patienten berücksichtigten, reduzierte die Therapie die Sterblichkeitsrate aber kaum. Der Effekt war nicht statistisch signifikant.

Aufgeben wollen sie trotzdem nicht. Vier von fünf Kleinkindern und sechs von acht Schwangeren überlebten – zwei Gruppen, die Ebola sonst besonders hart trifft. Möglicherweise habe das Plasma sie gerettet, meinen die Forscher. Außerdem haben sie Proben des verwendeten Plasmas an ein Hochsicherheitslabor im französischen Lyon geschickt. Dort prüfen Virologen, wie viele neutralisierende Antikörper tatsächlich darin enthalten waren. Sobald die Tests abgeschlossen sind, werden die Daten erneut analysiert. Schließlich werde eine Ebola-Therapie dringend gebraucht, schreiben die Forscher. Auch als Anreiz, sich während eines Ausbruchs möglichst früh an ein Behandlungszentrum zu wenden. Bisher ist jedes experimentelle Ebola-Mittel gescheitert. Für den Antikörper-Cocktail ZMapp liegt noch kein Ergebnis vor.

Heilsame Therapie durch Zufall

Glück im Unglück hatten dagegen etwa 70 Patienten, die im August 2014 in das überlastete „Ärzte ohne Grenzen“-Behandlungszentrum in Foya (Liberia) eingeliefert wurden. Den Ärzten war das Malaria-Mittel Artemether-Lumefantrin ausgegangen, das sie sonst vorsorglich jedem Ebola-Patienten verordnen. Sie wichen zwölf Tage lang auf Artesunat-Amodiaquin aus. Inmitten der Epidemie bemerkte niemand einen Unterschied.

Als sich Amodiaquin in der Petrischale als Wirkstoffkandidat gegen Ebola erwies, schaute sich ein Forscherteam um Iza Ciglenecki von „Ärzte ohne Grenzen“ in Genf das zufällige Experiment genauer an. Sie ordneten anhand der detaillierten Krankenakten und Blutproben die Patienten in Gruppen ein und rechneten alle ihnen bekannten Faktoren heraus, die das Ergebnis verfälschen könnten. Wer Amodiaquin bekam, dessen Sterberisiko hatte sich um 31 Prozent verringert.

Warum das so war, sei unklar, betonen die Forscher. Die Wirkungsweise müsse erst erforscht werden. Außerdem sei denkbar, dass das Standard-Malaria-Medikament durch Nebenwirkungen Ebola-Patienten schade. „Wir können keine weitgehenden Schlüsse ziehen“, sagt Ciglenecki. Sie hoffe aber, dass die Forschung nicht ins Stocken gerät. Auch wenn die Epidemie zu Ende ist.

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