Bergbau in der Tiefsee : Geisterkrake „Casper“ ist in Gefahr

Werden Manganknollen industriell abgebaut, bedroht das die Kraken in der Tiefsee. Denn sie legen ihre Eier an Schwämmen ab, die sich an den Metallklumpen festkrallen.

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Maßstäbe der Tiefsee. Mit einem sechs Zentimeter langen Mantel zählt „Casper“ bereits zur Megafauna. Foto: NOAA, Hohonu Moana
Maßstäbe der Tiefsee. Mit einem sechs Zentimeter langen Mantel zählt „Casper“ bereits zur Megafauna.Foto: NOAA, Hohonu Moana

Als das Licht des Tauchroboters auf den sechs Zentimeter kleinen Kraken trifft, wirkt sein milchig-weißer Mantel fast durchsichtig. Er hebt einen Arm nach dem anderen, als wolle er sich orientieren. Das Team an Bord des amerikanischen Forschungsschiffes „Okeanos Explorer“ ist begeistert. Eine neue Krakenart, in einer Rekordtiefe von 4290 Metern! Als sie das Video von ihrem Fund vor der hawaiianischen Necker-Insel im Februar ins Netz stellen, wird es hunderttausendfach geteilt. Die Fans geben dem Wesen aus der Tiefsee einen Namen: „Casper“. So wie das freundliche Trickfilmgespenst.

„Casper“ ist eine von 29 Krakenarten, die in solchen Tiefen des Pazifiks leben, berichtet nun ein deutsch-amerikanisches Team um Autun Purser vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) im Fachblatt „Current Biology“. Sie alle gefährdet der Tiefseebergbau. Denn die Kraken bevorzugen nicht nur das Umfeld von Manganknollen, um dort nach Nahrung zu suchen. Sie legen ihre bis zu drei Zentimeter großen Eier an den Stängeln toter Schwämme ab, die sich nur an den Knollen festkrallen können.

Die Metalle werden für Computer und Handys gebraucht

Die Metalle in den Manganknollen gelten als High-Tech-Materialien, die Industrie braucht sie für Computer und Handys. Die meisten Vorkommen an Land sind entdeckt und teuer. So interessieren sich die Unternehmen auch für die Knollen, die sich im Laufe der Jahrmillionen in der Tiefsee gebildet haben.

Was passiert, wenn die Metallklumpen fehlen, konnte die Besatzung des deutschen Forschungsschiffes „Sonne“ im Perubecken des Pazifiks beobachten. In den 1980er Jahren hatten dort Wissenschaftler in einem elf Quadratkilometer großen Gebiet die Knollen untergepflügt. Die Gemeinschaft der fest am Boden siedelnden Tiere, zu denen Schwämme gehören, brach zusammen. Sie hat sich bis heute nicht erholt. Den Tieren fehlt im schlammigen Untergrund der Anker.

„Wir müssen das Verhalten und die Anpassungen von Tiefseetieren kennen, um nachhaltige Schutz- und Nutzungskonzepte aufzustellen“, sagt AWI-Forscherin Antje Boetius, die die Expedition zum Perubecken leitete. „Casper“ und seine Verwandten seien besonders gefährdet. Denn zum einen legen sie nur sehr wenige Eier. Zum anderen müssen sie diese viele Jahre umsorgen, bis in der kalten Tiefsee der Nachwuchs schlüpft.

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