Berlin Mathematical School : Fast ein Karrieregarant

Die Berlin Mathematical School hilft bei der Promotion. Vor allem mehr Frauen sollen Karriere machen.

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Frauen in der Mathematik brauchen mehr Vorbilder, findet Günter M. Ziegler von der BMS.
Frauen in der Mathematik brauchen mehr Vorbilder, findet Günter M. Ziegler von der BMS.Foto: BMS/Kay Herrschelmann

Durch sie funktionieren Maschinen. Auf ihrer Grundlage werden Steuern, Beitragssätze, Bankdarlehen berechnet und Prognosen erstellt. Sie ist die Basis, um Häuser zu bauen, Wege und Straßen. Mathematik steckt in unserem Alltag und ist Voraussetzung für Fortschritt. Um diesem Aspekt Rechnung zu tragen, haben sich die drei großen Hochschulen der Hauptstadt – die Freie Universität, die Humboldt-Universität und die Technische Universität – zur Berlin Mathematical School (BMS) zusammengeschlossen. Ursprünglich hatten die versammelten Mathematik-Experten eigentlich nur im Sinn, Werbung für ihre Promovierenden zu machen. Doch dann kam die Exzellenzinitiative. Aus der Idee, Doktoranden unter die Arme zu greifen, wurde eine eigene Graduiertenschule, die inzwischen seit rund elf Jahren besteht.

Fast 100 Professorinnen und Professoren lehren derzeit an der Berlin Mathematical School; mehr als 190 Studierende werden gefördert. Der größte Teil von ihnen sind Doktoranden, der kleinere Teil der Studierenden nimmt am Masterprogramm teil. „Wir sind damit nicht nur zahlenmäßig eine sehr große Graduiertenschule, sondern decken auch fachlich ein breites Profil ab“, sagt Günter M. Ziegler, Sprecher der BMS. So umfasst das Spektrum zum Beispiel mathematische Technologien für die Industrie, aber auch Geometrie, Algebra oder Zahlentheorie.

Ein Drittel der Studierenden sind bereits Frauen

Eines der Ziele der BMS-Gründer war es, Berlin zur Anlaufstelle für Mathematik-Interessierte zu machen – und zwar international. Heute sind Studierende aus 48 Ländern vertreten. Viele kommen aus Asien, Lateinamerika und den USA, natürlich auch aus den europäischen Staaten und Deutschland. Damit sie alle sich vor allem der Mathematik widmen können und nicht auf Nebenjobs angewiesen sind, bietet die Graduiertenschule Stipendien an, insbesondere für die ausländischen Studierenden. Denn anders als deutsche Teilnehmer erhalten sie kein Bafög oder Geld von deutschen Stiftungen. Doktoranden sollten ohnehin in Vollzeit forschen können, so der Wunsch der BMS-Wissenschaftler. Das Geld kommt zu einem großen Teil von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen der Exzellenzinitiative, aber auch von den drei beteiligten Universitäten.

Den weiblichen Nachwuchs möchte die Einrichtung besonders fördern. Ein Drittel der Studierenden sind bereits Frauen, „angestrebt werden 50 Prozent“, sagt Ziegler. Die BMS wirbt international dafür, dass Frauen an die Berliner Mathematik-Schule kommen. Damit der Anteil der Forscherinnen steigt und sie bei ihrer wissenschaftlichen Karriere unterstützt werden, hat die Graduiertenschule ein spezielles Programm aufgesetzt. „Wir entwickeln Konzepte und unterstützen, wenn es Probleme gibt“, sagt Ziegler. Dazu gehört, dass jede Studentin von Anfang an einen Mentor oder eine Mentorin hat, mit dem sie im Gespräch bleibt.

Um mehr Frauen für die Mathematik und die Naturwissenschaften zu begeistern, haben Universitäten bundesweit Förderprogramme initiiert. Auch das Bundesbildungsministerium hat das Thema zu einem Schwerpunkt seiner Arbeit gemacht. Fortschritte auf dem Weg zu mehr Frauen in der Mathematik gibt es, doch längst nicht im gewünschten Tempo. „Es gibt immer noch zu wenige Vorbilder“, bedauert Günter Ziegler. Und noch immer schrecken etliche Stereotype junge Frauen ab, sich für das Fach zu entscheiden.

Die BMS will eine „Du-kannst-das-Stimmung“ verbreiten

Der Mathematikprofessor ist überzeugt: Fassen mehr begabte Nachwuchswissenschaftlerinnen in der Mathematik Fuß, werden weitere folgen. Frauen, die in Forschung und Lehre bereits Karriere gemacht haben, lädt die BMS regelmäßig zu Vorträgen an die Graduiertenschule ein. Einige Treffen richten sich ausschließlich an Frauen. Bei den Gesprächen geht es nicht nur ums Fachliche, sondern auch um Stolpersteine, Hindernisse auf dem Karriereweg, um Chancen und Sprungbretter. „Die Männer an der BMS sind dann oft neidisch. Aber die Frauen wissen diese Angebote sehr zu schätzen“, sagt Ziegler. Noch ist die internationale Forschungslandschaft von Männern geprägt. Aber Angst vor Präsentationen und vor der Verteidigung der eigenen wissenschaftlichen Arbeit braucht niemand zu haben. Die BMS will eine „Du-kannst-das-Stimmung“ verbreiten. Ein selbstbewusstes Auftreten nehme viele Ängste.

Fest steht: Die Graduiertenschule ist beinah so etwas wie ein Karrieregarant. Etliche Absolventen arbeiten heute in der Industrie. Andere haben feste Stellen an Universitäten, besetzen Professuren im In- und Ausland.

Bis Herbst 2019 wird die Deutsche Forschungsgemeinschaft die BMS finanziell fördern. Künftig soll die Graduiertenschule in der Initiative „Math+“ aufgehen, einem Forschungsverbund für Mathematik. Dann könnten nicht nur mehr Studierende aufgenommen werden, auch das Themenspektrum würde sich vergrößern.

Mehr im Internet: math-berlin.de

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