Berliner Hochschulen : Hunderte Studienplätze bleiben frei

Die Berliner Hochschulen konnten trotz vieler Bewerbungen im vergangenen Wintersemester mehrere hundert Studienplätze nicht besetzen. Allein an der FU blieben 401 Plätze frei.

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Auf der Suche. Die meisten Plätze blieben an der FU unbesetzt.
Auf der Suche. Die meisten Plätze blieben an der FU unbesetzt.Foto: Thilo Rückeis

An den Berliner Hochschulen blieben im vergangenen Wintersemester in NC-Fächern mehrere hundert Studienplätze frei – und das, obwohl mehr als hunderttausend Bewerbungen eingingen. So blieben an der Freien Universität 401 Studienplätze im grundständigen Bachelor-Bereich unbesetzt, an der Technischen Universität 95, an der Humboldt-Universität 80. An der Beuth-Hochschule gab es 71 freie NC-Studienplätze, etwas mehr als an den anderen Fachhochschulen (Hochschule für Wirtschaft und Recht 50, Hochschule für Technik und Wirtschaft zehn freie Plätze). Die Zahlen gehen aus der Antwort der Wissenschaftsverwaltung auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Anja Schillhaneck hervor.

Insgesamt standen an den staatlichen Berliner Unis und FHs im Wintersemester 2013/14 in grundständigen NC-Studiengängen 15 283 Plätze zur Verfügung, unbesetzt blieben also rund 4,5 Prozent. Für die Studienplätze gingen fast 114 000 Bewerbungen ein. Seit Jahren drängen an die Hochschulen deutlich mehr Abiturienten als Kapazitäten vorhanden sind. Dass dennoch immer wieder Studienplätze frei bleiben, liegt nicht zuletzt an den zahlreichen Mehrfachbewerbungen. Viele stellen Anträge für mehr als eine Hochschule, um ihre Chancen auf ein Studium zu erhöhen. Für die Hochschulen ist daher schwer einzuschätzen, wie viele Bewerber später wirklich ihren Platz annehmen. Selbst wenn Unis ihre Plätze ähnlich wie Fluglinien überbuchen, garantiert das nicht, dass am Ende alles belegt ist. Aufgrund dieser Problematik könne daher schon bei einem Auslastungsgrad von 95 Prozent von einer „umfänglichen Ausschöpfung“ ausgegangen werden, heißt es in der Antwort der Wissenschaftsverwaltung.

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Die FU konnte vor allem Plätze in den Sprach- und Kulturwissenschaften nicht vergeben (292 freie Plätze stammen aus dem Gebiet; 95 aus Mathematik und Naturwissenschaften). An der TU verteilten sich die freien Plätze fast je hälftig auf die Ingenieurwissenschaften (49) und auf Mathematik und Naturwissenschaften (40), an der HU auf die Sprach- und Kulturwissenschaften (45) und Mathematik/Naturwissenschaften (35).

Die Senatsverwaltung verweist darauf, dass die Unis auf die Zahl frei gebliebener Plätze bereits reagiert hätten, indem sie mehr Studiengänge ohne Zulassungsbeschränkung anbieten. Insgesamt waren zum aktuellen Wintersemester an den drei großen Unis 51 Fächer NC-frei, 37 mehr als 2013/14. Die TU bietet inzwischen ein Viertel ihrer Bachelor-Studiengänge NC-frei an. An der FU kann man kleinere Fächer wie Iranistik, Semitistik, Turkologie, Ägyptologie, klassische Archäologie oder Italienstudien unabhängig von der Abiturnote belegen. Die FU sei in diesem Wintersemester ausgelastet, teilte die Uni auf Anfrage mit.

Die Senatsverwaltung hofft zudem, dass die Kapazitäten mit dem vollen Betrieb des bundesweiten Bewerbungsportals Hochschulstart.de besser ausgelastet werden. Dieser verzögert sich allerdings seit Jahren. Die Senatsverwaltung geht von einem vollen Betrieb 2017/18 aus.

Für die Hochschulen ist es finanziell wichtig, ihre Kapazitäten auszulasten. Das Land verlangt, dass sie die Zahl der Studienanfänger pro Jahr bei über 26 000 halten. Andernfalls drohen ihnen Abzüge bei den Zuschüssen. Bei der Abrechnung der Halteverpflichtung kommt für die Hochschulen erschwerend dazu, dass Fach- und Hochschulwechsler nicht berücksichtigt werden. Aus der FU heißt es, sie müsse 1,5 Studierende immatrikulieren, um einen Studenten abrechnen zu können – was das „Überbuchen“ der Studienplätze weiter verschärft. Außerdem sind die Fächer unterschiedlich stark nachgefragt. Um die vom Senat vorgegebenen Zielquoten zu erfüllen, müssen beliebte Fächer wie Jura oder BWL eine Überlast tragen, um weniger beliebten Fächern ihre Existenz zu ermöglichen.

Für die nun frei gebliebenen Plätze sind die Hochschulen finanziell aber nicht stark bestraft worden. Vielmehr hätten sie Abzüge bei der Halteverpflichtung durch überdurchschnittliche Leistungen in anderen Bereichen – wie bei den Absolventenzahlen – zum Teil wieder wettgemacht, hieß es aus Anfrage aus der Wissenschaftsverwaltung. Die FU teilte mit, sie habe Geld verloren, sagte aber nicht, wie viel. Laut Senatsverwaltung haben dagegen einige Hochschulen, die mehr Studierende im 1. Hochschulsemester aufgenommen haben als verlangt, zusätzliche Mittel erhalten, nämlich die HU, die Beuth-Hochschule und die Kunsthochschule Weißensee. Tilmann Warnecke

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