Berliner Hochschulen : Regieren mit Schwan

"Unsere Studenten sollen demokratische Politik verbessern": Die Humboldt-Viadrina School of Governance hat noch Plätze frei

Tilmann Warnecke
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Foto: ddp

Am vergangenen Wochenende scheiterte Gesine Schwan bei der Bundespräsidentenwahl. Will sie dafür jetzt Präsidentin der von ihr mitinitiierten neuen Regierungsschule in Berlin, der Humboldt-Viadrina School of Governance, werden? Als diese Frage am gestrigen Donnerstag bei der Vorstellung des ersten Masterstudiengangs der Einrichtung gestellt wurde, lavierte Schwan zunächst. Schließlich bekannte sie aber doch Farbe: „Ich würde mich zur Verfügung stellen“, sagte Schwan. Sie wolle den Gremien der gemeinsamen Einrichtung von Humboldt-Universität und Viadrina-Universität allerdings nicht vorgreifen. Das Kuratorium (Board of Trustees) der Humboldt-Viadrina School wird im Laufe des Jahres eine Kandidatin oder einen Kandidaten suchen und wählen. Aus der Schule hieß es zuletzt, es sei völlig offen, wer die Leitung übernimmt. Damit scheint auch ausgedrückt, dass die Wahl Schwans keineswegs zum Selbstläufer wird.

Schwan hatte das Projekt 2003 als Präsidentin der Viadrina zusammen mit Jürgen Mlynek, dem damaligen Präsidenten der Humboldt-Uni, zum ersten Mal vorgestellt. An der Schule sollen Führungskräfte für Politik und Wirtschaft, aber auch für Nicht-Regierungsorganisationen in einem „Master of Public Policy“ weitergebildet werden. Angesprochen sind Absolventen von Magister-, Master- und Diplomstudiengängen, die mindestens zwei Jahre in der Politik, der Wirtschaft oder in einer Einrichtung der Zivilgesellschaft gearbeitet haben. „Mit unserem Lehrprogramm wollen wir unseren Studierenden ermöglichen, demokratische Politik zu verbessern“, sagte Schwan. Das Studium kostet 18 000 Euro. Der erste Jahrgang startet am 1. November, Studienplätze sind noch frei.

Mit der Hertie School of Governance gibt es in Berlin bereits eine andere Einrichtung, die Führungskräfte für die Politik weiterbildet. Gleichwohl nimmt die Humboldt-Viadrina für sich in Anspruch, „auf völlig neue Art und Weise Theorie und Praxis zu verbinden“, wie Alexander Blankenagel, Jurist an der HU, sagte. Die Studierenden sollen möglichst ein Projekt von ihrer Arbeit mitbringen, das sie während des Studiums theoretisch hinterfragen und dann praktisch umsetzen. Peter Eigen, Gründer von Transparency International, Ehemann von Gesine Schwan und Beiratsmitglied der Regierungsschule, sagte, vor allem die Vernetzung mit Vertretern der Zivilgesellschaft unterscheide die Humboldt-Viadrina von der Hertie School, die sich mehr auf die konventionellen Akteure in Politik und Wirtschaft konzentriere.

Will Schwans Schule ein eigenes Promotionsrecht, wie es die Konkurrenz von der Hertie School wünscht? Nein, sagte Schwan. Die Schule werde von HU und Viadrina getragen und sei keine eigenständige Hochschule. „Wir streben auch nicht an, eigenständig zu werden“, sagte Schwan. Professoren der beiden Unis, die an der Regierungsschule lehren, würden dafür auch nicht von ihren Lehrverpflichtungen an der HU und an der Viadrina befreit. Tilmann Warnecke

Mehr im Internet:

www.governance-school.de

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