Berliner Wissenschaft : TU will Elite werden

Die Technische Universität wirbt im vergangenen Jahr mehr Forschungsmittel ein – doch trotz hoher Ziele bleiben Schwächen.

Tilmann Warnecke

Kurt Kutzler, Präsident der Technischen Universität Berlin, ist zuversichtlich, dass seine Uni in der nächsten Runde der Exzellenzinitiative den begehrten Elite-Status gewinnen kann. In der ersten Phase des Wettbewerbs sei es wegen des Generationenumbruchs an der TU „schwierig gewesen“, in der Förderlinie für die Zukunftskonzepte erfolgreich zu sein, sagte Kutzler jetzt im erweiterten Akademischen Senat (AS) der TU. Nachdem nun aber zahlreiche neue Professoren berufen worden seien, „erwarte ich, dass sich die Uni in der nächsten Runde als erfolgreich erweisen wird“, sagte Kutzler. In den ersten beiden Runden der Exzellenzinitiative war die TU bereits frühzeitig mit ihrem Zukunftskonzept gescheitert. Das Konzept ist der Kern der Förderlinie, in der in dem Wettbewerb ganze Universitäten mit dem Elitestatus ausgezeichnet werden. Die nächste Wettbewerbsrunde startet im Herbst 2010, zwei Jahre später fallen die Entscheidungen.

Kutzler legte in der Sitzung seinen Rechenschaftsbericht für die Jahre seit 2007 vor. Trotz seines Optimismus in Sachen Exzellenzinitiative gab er darin auch Schwächen der Technischen Universität zu. So sei ein „großes Defizit im Bereich der Sonderforschungsbereiche zu verzeichnen“, hieß es in seiner Präsentation. Tatsächlich hat die TU derzeit lediglich zwei Sonderforschungsbereiche, die nach den Projekten der Exzellenzinitiative die bestdotierten Forschungsvorhaben sind, die die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert. Zum Vergleich: Die TU Karlsruhe hat neun Sonderforschungsbereiche, die TU München acht.

Auch bei den Fördermitteln, die insgesamt von der DFG vergeben werden, stehe die TU „nicht gut“ da, sagte Kutzler. Im letzten DFG-Ranking schaffte es die Uni nicht einmal unter die besten 20 Hochschulen. Allerdings habe es bei den DFG-Mitteln im vergangenen Jahr eine Verbesserung um 54 Prozent auf jetzt 36 Millionen Euro gegeben – maßgeblich durch das Exzellenzcluster in der Chemie, das die TU in der Exzellenzinitiative eingeworben hat. Im letzten Jahr habe die TU auch bei den Forschungsmitteln von anderen Geldgebern etwa aus der Wirtschaft einen Sprung nach vorn gemacht.

98,8 Millionen Euro nahm die Uni 2008 insgesamt an Drittmitteln ein, ein Plus von 17,5 Millionen Euro im Vergleich zu 2007. Die Bundesmittel (21 Millionen) stiegen dabei um 23 Prozent an, die Mittel von privaten Geldgebern (20 Millionen) um fünf Prozent. Von der EU gab es wie im Jahr zuvor rund 13 Millionen Euro. Kutzler kündigte an, die TU wolle sich gemeinsam mit Einrichtungen in Paris, Eindhoven, Stockholm und Helsinki um eine Förderung im Rahmen des neuen European Institute of Innovation and Technology (EIT) bewerben.

Der Rechenschaftsbericht war der letzte, den der Präsident vorlegte – Kutzlers Amtszeit läuft im nächsten Jahr aus. Aus Altersgründen tritt Kutzler dann nicht noch mal an. Die Mitglieder des erweiterten AS nahmen den Rechenschaftsbericht mit 24 Ja-Stimmen, 13 Enthaltungen und einer Nein-Stimme positiv zur Kenntnis – ohne den Bericht groß zu diskutieren. Kutzler kündigte an, sein Nachfolger solle möglichst bereits am Ende des Jahres, spätestens im Januar 2010 gewählt werden. Tilmann Warnecke

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