Bilanz zur "Bildungsrepublik" : Deutschland verfehlt eigene Bildungsziele

Vor fünf Jahren riefen die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten die „Bildungsrepublik Deutschland“ aus. Doch die damals vereinbarten Ziele stehen immer noch in weiter Ferne.

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Im deutschen Bildungssystem werde vielmehr „das Auseinanderklaffen zwischen der Lage von Begünstigten und der von Benachteiligten weiter verfestigt und immer wieder reproduziert“, heißt es in einer Bilanz des Essener Bildungsforschers Klaus Klemm. Das Papier hat Klemm im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) geschrieben.

Demnach geht nicht nur wie berichtet die Zahl der Schulabbrecher nur langsam zurück. Bis 2015 soll sie auf vier Prozent halbiert werden, 2012 lag sie aber immer noch bei 5,9 Prozent. Auch die angestrebte Halbierung der Quote junger Erwachsener ohne Berufsabschluss sei nicht in Sicht, heißt es. Von 2008 bis 2012 habe sich ihr Anteil nur von 17,2 Prozent auf 14,9 Prozent verringert. Die angestrebte Weiterbildungsquote von 50 Prozent war 2012 zwar praktisch erreicht. Allerdings würden Arbeitslose, Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung und Migranten sehr viel seltener weitergebildet, heißt es bei Klemm.

Vereinbart hatten Bund und Länder, die öffentlichen und privaten Ausgaben für Bildung und Forschung bis 2015 auf zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu steigern. Aktuelle Daten sind laut Klemm nur bis 2011 verfügbar. Damals lag der Anteil der Ausgaben für Bildung und Forschung am BIP bei 9,5 Prozent. „Das Zehnprozent-Ziel könnte bis 2015 erreicht werden“, schreibt Klemm. Deutschland liege dennoch unter dem internationalen Durchschnitt.

Übertroffen sind die Ziele bei der Studienanfängerquote, die bereits jetzt über 40 Prozent liegt. Allerdings sei die Aufnahme eines Studiums „mit einem hohem Maß sozialer Chancenungleichheit verbunden“. Auch der Ausbau der Krippenplätze für unter Dreijährige liegt über der Zielmarge von 35 Prozent: Für 2013/14 sind Plätze für 40 Prozent der Dreijährigen angekündigt.

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