Blüten im Bernstein : Giftspur in den Regenwald

Zwei hervorragend gut erhaltene Blüten in Bernstein verblüffen Forscher. Es sind die einzigen fossilen Exemplare aus der Familie der Brechnüsse.

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Seltene Schönheit. Die fossile Blüte gehört zur Strychnos-Familie.
Seltene Schönheit. Die fossile Blüte gehört zur Strychnos-Familie.Foto: George Poinar

Norman Bates verwendete es, um damit im Film „Psycho“ seine Mutter umzubringen. Sowohl Agatha Christie als auch Sherlock Holmes überführten Mörder, die das Gift der Brechnuss für ihre Zwecke nutzten. Doch woher kam das Strychnin? Die Spur führt mindestens 15, möglicherweise bis zu 45 Millionen Jahre in die Vergangenheit, in einen Regenwald in der Karibik. Unter den Baumwipfeln wuchsen Palmen und Feigen, darunter bambusähnliche Gewächse, noch eine Etage tiefer Farne, Gräser und Orchideen. Lianen umschlangen viele Pflanzen. Damals fielen zwei trompetenartige, fast einen Zentimeter lange und dicht behaarte Blüten in das Harz eines Baumes. Sie wurden fast perfekt konserviert. Heute sind die Blüten aus dem mittleren Tertiär die einzigen fossilen Exemplare aus der Familie der Brechnüsse, schreiben George Poinar und Lena Struwe im Fachblatt „Nature Plants“.

George Poinar fahndete nach fossilen Insekten, als er 1986 eine Bernsteinmine in den Bergen der Cordillera Septentrional in der Dominikanischen Republik besuchte. Er kehrte mit etwa 500 Fossilien zurück an die Oregon State University. Die zwei Blüten im Bernstein, die wirkten „als seien sie gerade vom Baum gefallen“, bemerkte er erst Jahrzehnte später. Er schickte Bilder an Lena Struwe, eine Botanikerin an der Universität Rutgers. Sie war sich sicher: Das ist eine neue Art.

Die Blüten gehören zur Gruppe der Asteriden, so wie ein Drittel aller Blühpflanzen – etwa Sonnenblumen, Petunien und Kaffee. Genauer: zur Familie der Brechnussgewächse. Die Forscher nannten sie Strychnos electri („elektron“ ist griechisch für Bernstein). Wie die etwa 200 Mitglieder der Strychnos-Familie dürfte sie giftig gewesen sein. „Von einigen dieser Gifte wissen wir heute, dass sie nützlich sind. Zum Teil auch für die Medizin“, sagte Poinar laut einer Pressemitteilung. Ein Beispiel sei die Therapie von Wurminfektionen. Der Bernstein ermögliche zudem Einblicke in ein Ökosystem, das zu einer Zeit existierte, als Nord- und Südamerika noch nicht durch eine Landbrücke miteinander verbunden waren.

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