Bologna-Reform : Freiheit dem Bachelor

Eine Quote beim Übergang vom Bachelorzum Masterstudium soll es nicht mehr geben. Das sagten Bundeswissenschaftsministerin Annette Schavan (CDU) und Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Jan-Hendrik Olbertz als Vertreter der Kultusministerkonferenz am Dienstag in Berlin.

Uwe Schlicht

Eine Quote beim Übergang vom Bachelorzum Masterstudium soll es nicht mehr geben. Das sagten sowohl Bundeswissenschaftsministerin Annette Schavan (CDU) als auch Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Jan-Hendrik Olbertz als Vertreter der Kultusministerkonferenz am Dienstag in Berlin. Schavan hatte als Reaktion auf den „Bildungsstreik“ Vertreter von Hochschulorganisationen, aus Studierendenverbänden und Politiker zu einem Runden Tisch eingeladen.

Den Studenten müsse freigestellt sein, ob sie nach dem Bachelor- ein Masterstudium anschließen wollen, sagten die Politiker. Der Übergang müsse „problemlos“ ermöglicht werden. Die Kultusminister hatten vor Jahren beschlossen, der Bachelor solle der „Regelabschluss“ sein, mit dem die Mehrheit der Studierenden aus der Hochschule ausscheidet. Dieser Beschluss beeinflusste die kapazitären Vorgaben in den Ländern für Bachelor- und Masterstudiengänge – und schürte unter den Studierenden Ängste, keinen Platz im Master zu finden.

Schavan sagte im Anschluss an das Treffen, keiner der Teilnehmer habe sich dafür ausgesprochen, den Bologna-Prozess abzubrechen und zum Zustand vor der Reform, die 1999 begann, zurückzukehren. Sie sei sich mit den Teilnehmern einig, dass es jetzt um eine Korrektur bei der Umsetzung gehen müsse. Zunächst müssten die Curricula in einer Weise erneuert werden, dass nicht „alter Wein in neuen Schläuchen“ angeboten werde. Inhalte der alten Studiengänge dürften nicht einfach in die neuen Strukturen übernommen werden.

Auch bei der Länge der Bachelorstudiengänge sei mehr Flexibilität erforderlich. Schließlich erlaubten die Rahmenvorgaben den Hochschulen Bachelorprogramme von sechs, sieben oder acht Semestern. Die Länge des Bachelorstudiums dürfe allein von den fachlichen Anforderungen bestimmt werden.

Dieser Ansicht ist auch Jan-Hendrik Olbertz. Außerdem sprach er sich dafür aus, bei der Anerkennung der Studienleistungen, die an anderen Hochschulen erbracht worden sind, künftig großzügiger zu verfahren. Leitlinie solle die Äquivalenz sein und nicht die Gleichartigkeit von Modulen oder Studiengängen.

Für die Verbesserung der Betreuungsverhältnisse sieht Schavan noch Chancen. Der Wissenschaftsrat hatte die Auffassung vertreten, die Reform erfordere einen besseren Betreuungsschlüssel von 15 bis 20 Prozent. Als ersten Schritt hierzu wertete Schavan die bessere Finanzierung eines Studienplatzes im zweiten Hochschulpakt. Außerdem könnte das Thema im Herbst bei der Bilanz über die Forderungen vom Bildungsgipfel im vergangenen Oktober aufs Tapet kommen. Um zu erfahren, wie der Bachelor von der Wirtschaft angenommen wird, will Schavan bald eine Studie starten.

Die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Margret Wintermantel, erklärte, die Fehlentwicklung bei der Umsetzung der Reform solle bei „Hochschultagen“ zum Beginn des Wintersemesters bundesweit thematisiert werden. Anja Gadow vom „Freien Zusammenschluss von StudentInnenschaften (fzs)“, sagte, es habe unter den Teilnehmern der Sitzung Einigkeit darüber gegeben, dass die Bachelorstudiengänge oft zu verschult und überreguliert seien. Jetzt müssten die Absprachen politisch umgesetzt werden. Uwe Schlicht

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