BTU Cottbus : Ungeliebte Fusion

18.10.2012 00:00 Uhrvon
Unter Protest. Jede Woche demonstrieren in Cottbus Hunderte gegen den Plan, die BTU mit der FH Lausitz zu fusionieren. Der Kampf um die Uni steht auch für die Angst der Lausitzer, vom prosperierenden Potsdam abgehängt zu werden. Foto: picture alliance / Andreas Frank
Unter Protest. Jede Woche demonstrieren in Cottbus Hunderte gegen den Plan, die BTU mit der FH Lausitz zu fusionieren. Der Kampf um die Uni steht auch für die Angst der Lausitzer,... - Foto: picture alliance / Andreas Frank

Nach dem Kabinettsbeschluss zur Fusion der Hochschulen in der Lausitz protestieren rund 2000 Cottbuser in einer Menschenkette gegen das Vorhaben. Professoren kritisieren: „Die Fusion bringt die Forschung nicht voran“.

„Das Feuer lodert weiterhin“, sagte Walther Ch. Zimmerli, Präsident der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU), dem Tagesspiegel. Zimmerli nahm ebenfalls an der Menschenkette teil. Nach wie vor sei er der Auffassung, zwei eigenständige Hochschulen seien die bessere Lösung – auch wenn man über gemeinsame Elemente in der Leitungs- und Aufsichtsebene nachdenken könne. In der vom Land vorgesehenen Neugründung einer Uni liege „ein hohes Risiko“. Die BTU werde dennoch „kritisch, aber konstruktiv“ kooperieren.

Wie berichtet, hatte die rot-rote Landesregierung am Dienstag die Neugründung einer „Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg“ zum 1. Juli 2013 beschlossen.

Darin gehen die bisherige BTU und die Fachhochschule Lausitz mit Sitz in Senftenberg und Cottbus auf. Den entsprechenden Gesetzentwurf muss der Landtag noch verabschieden. Viele Uniangehörige fühlen sich durch die Fusion mit der FH degradiert. Die Fusion schade dem Ansehen der BTU erheblich, sagt etwa Christoph Egbers, Professor für Aerodynamik. Das habe er auf Kongressen im vergangenen Halbjahr festgestellt: „Die Pläne stoßen anderswo auf komplettes Unverständnis.“ Für Zimmerli werden die bisherige BTU und die FH „zerschlagen“.

Laut Ministerium soll die neue BTU alle Studierenden und Mitarbeiter übernehmen. Uni- und FH-Professoren führen ihre bisherigen Aufgaben unverändert fort, Uniprofessoren werden also weiter mehr forschen und weniger lehren. FH-Profs können aber beantragen, zu Uni-Profs aufgewertet zu werden. Übergangsweise wird die Uni von einem Ministeriumsbeauftragten geführt, bis der aus Uni- und FH-Mitgliedern paritätisch besetzte Gründungssenat eine neue Präsidentin oder einen neuen Präsidenten gewählt hat. Bis Juli 2014 sollen Fächer und Studiengänge neu geordnet werden.

Dabei soll die Uni ein „stärker anwendungsbezogenes“ sowie ein „stärker theoriegeleitetes“ Angebot in Lehre und Forschung machen. Sprich: Unter dem Dach der neuen Einrichtung wird es wohl weiter universitär und FH-geprägte Bereiche geben. Zusätzlich sollen übergeordnete „Schools“ für die Gewinnung von Studierenden, zur Förderung der Mobilität von Studierenden, für die Weiterbildung und für Doktoranden entstehen. Michael Schierack, wissenschaftspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, kritisierte, es sei „unklar, wie die Standorte in Cottbus und Senftenberg zusammenpassen sollen“.

Streit gibt es um das Geld. Das Land will den kombinierten Etat von 66 Millionen erhalten und zusätzlich zehn Prozent geben. Dennoch „wird die BTU einen Nettoverlust erleiden“, kritisiert Zimmerli. Für den Transformationsprozess reiche das Geld bei Weitem nicht aus. An der BTU heißt es, schon jetzt sei die Uni mit ihren 120 Professoren dramatisch unterfinanziert. So habe die TU Ilmenau, die ebenfalls 66 Millionen Euro bekommt, nur 80 Professuren. Dass die BTU-Professoren viel zu wenig wissenschaftliche Mitarbeiter beschäftigen könnten, sei ein Grund für die teilweise geringe Forschungsleistung der Uni.

Vor diesem Hintergrund sei nicht nachvollziehbar, wie die stark auf die Lehre konzentrierten FH-Kollegen die Forschung der BTU voranbringen könnten, sagt Christoph Egbers. Im Bemühen der Uni, endlich in die Deutsche Forschungsgemeinschaft aufgenommen zu werden, könne die Fusion kontraproduktiv sein: Schließlich würden die Promotions- und die Drittmittelquote zunächst sinken, weil die FH aufgrund ihres Profils hier wenig einbringe.

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