Chemikerpreis für Joachim Sauer : Einer wie Max Planck

Es war ein Tag, den Joachim Sauer genießen konnte. Während der Dresdener Tagung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte steht er im Mittelpunkt, das Blitzlichtgewitter der Presse gilt dem Wissenschaftler – nicht dem Mann an Angela Merkels Seite.

Paul Janositz

Denn der 61-jährige Chemiker der Humboldt-Universität (HU) Berlin ist mit Deutschlands mächtigster Frau, Angela Merkel, verheiratet. Als Ehemann der Kanzlerin das Damenprogramm absolvieren zu müssen, ist nicht nach seinem Geschmack.

Doch an diesem Montag geht es um seine wissenschaftlichen Leistungen. Die können sich sehen lassen, und so zeichnete ihn die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) mit der Liebig-Denkmünze aus. Diese traditionsreiche Ehrung wird seit 1903 verliehen, auch Nobelpreisträger wie Max Planck oder Gerhard Ertl finden sich unter den Ausgezeichneten. Sauer wird für seine „bahnbrechenden wissenschaftlichen Arbeiten zum Verständnis von zwei Arten von Katalysatoren“ geehrt. Diese hätten bereits große wirtschaftliche Bedeutung, hieß es in Dresden.

„Geehrt wird das Lebenswerk“, sagt Matthias Drieß, Chemieprofessor an der TU Berlin. Er freut sich über die Auszeichnung seines HU-Kollegen, deren Glanz auch auf die gemeinsame Forschung abstrahle. Sauer arbeitet am Exzellenzcluster „Unicat“ mit, das den Geheimnissen der Katalysatoren auf die Spur kommen will. Das sind Substanzen, die chemische Reaktionen beschleunigen oder überhaupt erst ermöglichen. Drieß ist Sprecher des Clusters, das vom Forschungsministerium mit jährlich 7,8 Millionen Euro gefördert wird.

Sauer ist der Theoretiker unter den Katalyseforschern. Das praktische Fundament legte der 1949 in Hosena, Kreis Hoyerswerda, geborene Sohn eines Konditormeisters mit der Ausbildung zum Chemielaboranten. Auf Studium und Promotion an der HU folgten mehrmonatige Forschungsaufenthalte in Polen und Prag, bevor Sauer von 1977 bis 1991 an der Akademie der Wissenschaften in Berlin arbeitete. Noch vor der Wende zog es ihn ein halbes Jahr an die Uni Karlsruhe.

Seit 1993 ist er Professor für Physikalische und Theoretische Chemie an der HU und leitet am Standort Adlershof die Arbeitsgruppe Quantenchemie. Geforscht wird an Zeolithen und Oxiden von Übergangsmetallen. Diese Substanzklassen sind auch für die Industrie wichtig, denn sie liefern wirksame Katalysatoren. Sauer initiierte 1999 maßgeblich den Sonderforschungsbereich Übergangsmetalloxide. Auch als dessen Sprecher bleiben ihm öffentliche Auftritte oft nicht erspart. Paul Janositz

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