Cholesterin : Fettsenker gegen Krebs?

Erhöhter Cholesterinspiegel und bessere Überlebenschancen bei Krebs - wie geht das zusammen? Forscher haben eine verblüffende Erklärung.

Hartmut Wewetzer
Verborgener Faktor. Vermutlich sind Medikamente die Ursache für die geringere Krebssterblichkeit bei erhöhtem Cholesterin.
Verborgener Faktor. Vermutlich sind Medikamente die Ursache für die geringere Krebssterblichkeit bei erhöhtem Cholesterin.Foto: Fotolia

Erhöhtes Cholesterin hat scheinbar auch Vorteile. Britische Forscher stellten fest, dass dieser Risikofaktor für Herz- und Gefäßleiden mit deutlich verbesserten Überlebenschancen bei den vier häufigsten Krebsarten (Lunge, Brust, Prostata, Darm) einhergeht. Doch ist es vermutlich nicht das vermehrt im Blut zirkulierende Cholesterin, das gegen den Krebs hilft, sondern vom Arzt verordnete cholesterinsenkende Medikamente aus der Gruppe der Statine.

Paul Carter von der Universität Aston in Birmingham und sein Team schauten sich die Daten von fast einer Million britischer Patienten an, die zwischen 2000 und 2013 wegen der vier häufigsten Tumoren behandelt worden waren. Die von ihnen benutzte Datenbank enthielt auch weitere medizinische Informationen, etwa zum Cholesterin.

Sterberisiko durch Krebs um bis zu 47 Prozent verringert

Nachdem die Wissenschaftler andere Faktoren, die das Überleben beeinflussen können, berücksichtigt hatten (wie Alter und Geschlecht), stellte sich heraus, dass ganz offenbar zwischen erhöhtem Cholesterin und verbesserten Überlebenschancen ein Zusammenhang bestand. Wer zuviel Cholesterin im Blut hatte, dessen Risiko, an Lungenkrebs zu sterben war um 22 Prozent verringert (Brustkrebs: 43 Prozent, Prostata: 47, Darm: 30).

„Aufgrund früherer Forschungsergebnisse nehmen wir an, dass es höchstwahrscheinlich die Behandlung mit Statinen ist, die diesen Effekt hervorruft“, kommentierte Carter in einer Pressemitteilung. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden bei einem Fachkongress in Florenz vorgestellt.

Carter nimmt an, dass erhöhtes Cholesterin das Krebsrisiko erhöht. So hat er einen Zusammenhang zwischen Cholesterin und Brustkrebs ermittelt. In Tierversuchen stellte sich zudem heraus, dass bei hohem Cholesterinspiegel verabreichte Statine das Brustkrebsrisiko senken können. Nun sollen weitere Untersuchungen klären, ob cholesterinsenkende Statine bei Krebspatienten das Überleben verbessern.

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