DAAD-Konferenz : Was der Bachelor wert ist

Die Kritik am Bachelor ist nicht zu knapp. Doch wie steht der neue deutsche Universitätsabschluss in der Praxis wirklich dar? DAAD-Mitarbeiter aus 14 Ländern tauschten darüber ihre Erfahrungen auf der Jahreskonferenz in Berlin aus.

Tina Rochowski

Soziale Selektion und Studiengebühren, die Qualität der Lehre und der Wert eines Bachelor-Abschlusses – diese Themen beschäftigen nicht nur die deutsche Bildungspolitik. Auch an ausländischen Hochschulen gibt es darüber Diskussionen. Besonders US-Unis würden wegen Mängeln in der Ausbildung und „explodierender Studienkosten“ kritisiert. Dies sagte Ulrich Grothus, Leiter des New Yorker Büros des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), am Montag in Berlin. Die Mitarbeiter aller 14 DAAD-Außenstellen waren zu ihrer Jahreskonferenz zusammengekommen.

In den Vereinigten Staaten seien die Studiengebühren im vergangenen Jahrzehnt um 51 Prozent stärker gestiegen als die Inflationsrate, sagte Grothus. Zugleich kämen Zweifel auf, ob die Hochschulausbildung ihr Geld wert sei. Denn nur 63 Prozent der Studenten könnten sechs Jahre nach der Immatrikulation einen Bachelor-Abschluss vorweisen. Studien hätten ergeben, dass lediglich ein Drittel der Absolventen in der Lage sei, einen längeren, komplexen Text angemessen auszuwerten. „Leistungstransparenz“ laute nun die meistgestellte Forderung amerikanischer Bildungspolitiker: Hochschulen sollten künftig die Lernfortschritte ihrer Studenten regelmäßig testen und die Ergebnisse veröffentlichen.

Die Anerkennung ausländischer Bachelor-Abschlüsse scheint sich dagegen an US-Unis durchzusetzen. Grund für die, so Grothus, „nur anfängliche Skepsis“: In den USA dauert ein Bachelor-Studium in der Regel vier Jahre, während etwa in Deutschland meist dreijährige Programme vorgesehen sind. 2005 gaben noch 40 Prozent der amerikanischen Graduiertenschulen an, die ausländischen Bachelor-Grade nicht anzuerkennen. Im vergangenen Jahr sei diese Quote auf 18 Prozent gefallen. Grothus geht davon aus, dass sich diese Tendenz fortsetze.

Von einem „Bildungsboom“ berichtete Stefan Hase-Bergen, künftiger Leiter der DAAD-Außenstelle in China. Seit Ende der 90er Jahre habe sich die Zahl chinesischer Studenten vervierfacht. Da sich die Zahl der Hochschullehrer im gleichen Zeitraum aber nur verdoppelt habe, stünde China nun vor „enormen Problemen in der Lehrqualität“. Zudem hätten die meisten Hochschulen ihren Ausbau selbst finanzieren müssen und seien nun stark verschuldet. Derzeit nehme in China die Zahl der Bewerbungen für ein Studium in Deutschland deutlich zu, sagte Hase-Bergen.

Einig waren sich die DAAD-Leiter in ihrem Urteil über die Attraktivität des Wissenschaftsstandortes Deutschland. Zwar genieße die Bundesrepublik „international hohes Renommee“, doch sei es in den vergangenen Jahren besonders in naturwissenschaftlichen Fächern und in Medizin schwieriger geworden, ausländische Studenten oder Forscher nach Deutschland zu locken. Keine Rolle spiele dabei die Einführung von Studiengebühren. Vielmehr seien die meisten Bewerber „überrascht, so wenig zahlen zu müssen“, hieß es.

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