Wissen : Der Anspruch der Freien Universität

Im Streit um die Superuni stärkt das FU-Kuratorium dem Präsidenten den Rücken

Uwe Schlicht

Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner rechnet nicht damit, dass sich auf die Dauer zehn Spitzenuniversitäten in Deutschland wirklich so profilieren können, dass sie in der Welt sichtbar werden. Am Ende werde die Profilierung so weit getrieben, dass nur drei Spitzenuniversitäten sich dauerhaft etablieren könnten, sagte Zöllner am Mittwoch im Kuratorium der Freien Universität Berlin (FU). Diese drei Spitzenplätze in Deutschland gingen wahrscheinlich nach München, Berlin und Heidelberg.

Angesichts dieser Entwicklung stelle sich die Frage, ob für diese Rolle die Möglichkeiten der Freien Universität ausreichten oder ob es nicht vielversprechender sei, die Exzellenz in Berlin insgesamt zu bündeln. „Es kann nur eine Marke aus Berlin in der Topliga spielen“, sagte Zöllner – und warb erneut für seine Idee, in Berlin eine neue Forschungsinstitution – bekannt als „Superuni“ – zu gründen.

In einem „Forum for Advanced Studies“ sollten die Vertreter der vier Berliner Universitäten und von vier Forschungsorganisationen sowie der Wirtschaft zusammenarbeiten. Trägerin solle eine Stiftung sein, 51 Prozent der Anteile sollten die vier Berliner Universitäten besitzen und 49 Prozent könnten an die Vertreter der Forschungsorganisationen und private Zuwendungsgeber aus der Wirtschaft gehen.

Zöllner glaubt nicht, dass Universitäten – selbst solche mit Exzellenzförderung aus dem Wettbewerb – nachhaltig zu Institutionen der Spitzenforschung ausgebaut werden können. Und er glaubt nicht, dass die Exzellenzinitiative in einer dritten Runde fortgeführt wird. Möglicherweise gebe es nur noch eine Abschlussförderung der jetzt bewilligten Projekte, sagte Zöllner. Von daher müsse man sich Gedanken über die dauerhafte finanzielle Absicherung der Exzellenz in Berlin machen – und das gehe nur über die Gründung einer Institution. Institutionen seien auch bei Etatkürzungen stabil und nicht ohne weiteres aufzulösen.

Der Wissenschaftssenator zweifelt auch an den Chancen für eine Bundesuniversität. Es werde nicht zu einer neuen Föderalismusreform kommen, die zum Beispiel dem Bund das Recht einräumen könnte, eine Spitzenuniversität finanziell zu fördern. Diese Idee hatte der ehemalige DFG-Präsident Ludwig Winnacker kürzlich wie berichtet wieder ins Gespräch gebracht. Wenn Berliner Universitäten an das Geld des Bundes herankommen wollten, gehe das nur über die Einbindung von Forschungsorganisationen, die zu 50 Prozent oder im Falle der Helmholtz-Gemeinschaft zu 90 Prozent vom Bund finanziert werden, sagte Zöllner. Diese hätten an einem Zusammengehen mit den Universitäten nur dann ein Interesse, wenn diese Kooperation institutionell abgesichert werde.

Das Kuratorium folgte Zöllners Werben mit Distanz. Der Präsident der Freien Universität, Dieter Lenzen, leitet aus der Entscheidung im Exzellenzwettbewerb die Verpflichtung der Freien Universität ab, ,,besondere Verantwortung für die Stadt zu übernehmen“. Erregt entgegnete er Zöllner: Die Freie Universität sei seit ihrer Gründung im Jahr 1948 „in den Dreck gezogen und geschunden worden. Endlich ist der Augenblick der Anerkennung in Berlin und Deutschland gekommen.“ Lenzen berief sich auf Gratulationen prominenter Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Wirtschaft: Mit der Entscheidung im Elitewettbewerb sei der FU die Führungsrolle in der Berliner Wissenschaft zugewiesen worden. „Jetzt macht es auch – das sagen uns die Gratulanten“, erklärte Lenzen.

Nach diesem emotionalen Bekenntnis nannte der FU-Präsident die Bedingungen, mit denen er in die Verhandlungen mit Zöllner und den Großorganisationen der Forschung wie Max-Planck-Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft, Leibnizgemeinschaft und Fraunhofer Gesellschaft gehen wolle: Die Freie Universität werde die Schwesteruniversitäten in Berlin „auf Augenhöhe behandeln. Die vier Präsidenten der außeruniversitären Forschungsorganisationen haben hier keine Ansprüche zu stellen. Die Universitäten sind der Kern.“

Das FU-Kuratorium unter dem Vorsitz von Hans-Uwe Erichsen, dem ehemaligen Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz, stärkte Lenzen für die schwierigen Verhandlungen den Rücken: Es dürfe keine universitätsähnliche neue Institution gegründet werden, Master- und Promotionsprogramme dürften nicht außerhalb der Unis etabliert werden, heißt es in einem einstimmig gefassten Beschluss. Das geplante Forum für Spitzenforschung dürfe auch keine die Unis verpflichtende Forschungsplanung vorgeben. Man sehe in Zöllners Vorschlägen „zum derzeitigen Zeitpunkt keine Stärkung der Berliner Universitäten“. Das Kuratorium teile aber das Ziel des Senators, die Berliner Spitzenforschung zu stärken.

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