Doktorarbeit : Guttenbergs Plagiat war früh bekannt

Dass Karl-Theodor zu Guttenberg in seiner Doktorarbeit plagiiert hat, war einigen Wissenschaftlern offenbar viel früher bekannt. Doch sie gingen dem Verdacht nicht nach.

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Dass Karl-Theodor zu Guttenberg in seiner Doktorarbeit plagiiert hat, war einigen Wissenschaftlern offenbar viel früher bekannt. Denn einige Juristen – darunter ein Berliner und Münsteraner Professor – wussten nach einem Bericht der „Welt am Sonntag“ schon im Sommer 2010 von den Plagiatsvorwürfen. Sie verfolgten die Spur aber nicht weiter. Öffentlich wurde die Sache erst im Februar 2011 durch den Bremer Juraprofessor Andreas Fischer-Lescano. Einige Wochen später musste Guttenberg zurücktreten, der Doktortitel wurde ihm aberkannt.

Doch nach dem Zeitungsbericht wurde bereits im Sommer 2010 ein in Berlin promovierender und in Münster arbeitender Doktorand auf Guttenbergs plagiierte Stellen aufmerksam. Der Doktorand hatte Guttenbergs Arbeit für seine eigene Dissertation auswerten wollen. Schnell sei ihm klar geworden, dass Guttenberg mit seinen Regelverstößen eine Grenze überschritten habe, heißt es. Der Doktorand schreibt sogar einen Aufsatz über seine Erkenntnisse und legt ihn seinem Umfeld vor. Dort wird ihm gesagt, „dass der Aufsatz Sprengstoff in sich birgt und dass ich mit einer Veröffentlichung Gefahr laufe, von der Öffentlichkeit vereinnahmt zu werden“, wie er zitiert wird. Er habe den Text dann in eine Schublade gelegt.

Ein Professor, der die Analyse zu lesen bekommt, ist der Münsteraner Jurist Bodo Pieroth, bei dem der Doktorand arbeitet. Pieroth habe den Doktoranden zwar „bestärkt, einen kleinen Artikel darüber zu veröffentlichen“, wie Pieroth sagt. Richtig insistiert hat Pieroth aber offenbar nicht. Denn als der Doktorand seine Analyse doch nicht veröffentlicht, habe Pieroth die Sache aus den Augen verloren. „Die übernommenen Stellen waren in ihrem Umfang damals noch nicht absehbar“, begründet das Pieroth.

Von der Entdeckung erfährt auch der Doktorvater des Doktoranden, der Juraprofessor Ingolf Pernice von der Berliner Humboldt-Universität. Pernice ist Direktor des Hallstein-Instituts für Europäisches Verfassungsrecht und war Dekan der HU-Jura-Fakultät. Er gehört dem Gründungsteam des von Google finanzierten „Instituts für Internet und Gesellschaft“ an. Pikanterweise hat Pernice bei demselben Professor wie Guttenberg promoviert, dem Bayreuther Peter Häberle.

Auf die Frage seines Doktoranden, wie er mit dem Aufsatz über Guttenbergs mögliche Verfehlungen umgehen solle, habe er Folgendes gesagt, wird Pernice zitiert: Er fände die Sache „heikel und müsse überlegen, wie ich darauf reagieren sollte“. Es sei ihm als „das Beste“ erschienen, „die Sache an den Ethikausschuss der Universität Bayreuth weiterzuleiten“. Er habe aber nicht weiterverfolgt, ob dem Verdacht nachgegangen wird, weil er „weder Zeit noch Lust“ hatte, sich intensiv damit zu befassen. Das war „vielleicht nicht richtig“. Das „ungeheure Ausmaß“ von Guttenbergs Plagiat sei damals nicht abzusehen gewesen.

Pernice sagt aber auch, er habe wie viele andere Guttenberg für einen guten Politiker gehalten. Und er sei sich sicher gewesen, dass es den Minister den Posten hätte kosten können, wenn die Geschichte an die Öffentlichkeit komme. Heute sei er „bestürzt“, wie Guttenberg seinen Lehrer „in dieser Weise täuschen und damit unsägliche Anfeindungen gegen ihn veranlassen konnte“. tiw

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