Wissen : Drei Tage im Sinne Einsteins

Veranstaltungskooperation Deutsches Theater und FU Berlin

Marion Jüstel

„Wichtig ist, dass man nie aufhört zu fragen“. Diese Aussage Albert Einsteins, die derzeit unter anderem die Fassade des Roten Rathauses ziert, nehmen sich das Deutsche Theater und die Freie Universität Berlin für den April besonders zu Herzen: Die beiden Institutionen realisieren eine mehrtägige Veranstaltungsreihe rund um die Premiere der Inszenierung „Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt.

„Mit den Veranstaltungen zum Einsteinjahr greifen wir die Frage auf, welchen Einfluss wissenschaftliche Erkenntnisse auf die heutige Gesellschaft ausüben“, erklärt Dieter Lenzen, Präsident der Freien Universität. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Zahl wissenschaftlicher Erfindungen, die den Alltag des Einzelnen betreffen, quasi explodiert. Allein die Forschungsergebnisse von Einsteins Disziplin Physik fließen heute in nahezu jeden Lebensbereich ein.

In einigen Fällen stoßen die Wissenschaftler mit ihren Entdeckungen jedoch an ethische Grenzen. Dürrenmatt hat diese Problematik – in seinem Fall die Entwicklung der Atombombe – in „Die Physiker“ thematisiert: Ist es manchmal besser, Forschungsergebnisse nicht zu veröffentlichen, um die Menschheit vor deren Missbrauch zu bewahren? „Das Stück belebt die aktuelle Diskussion um Ethik in der Wissenschaft. Vor dem Hintergrund der Gen-Debatte und des neuen Wettlaufs im All ist Dürrenmatts Satire großartig aktuell“, erläutert Henrike Thomsen, Sprecherin des Deutschen Theaters. Damit das Thema Wissenschaft in der Gesellschaft und die damit verbundene Wertediskussion ein möglichst breites Publikum findet, haben sich Freie Universität und das Deutsche Theater zusammengetan.

Den Auftakt der Veranstaltungsreihe bildet die Podiumsdiskussion „Einsteins Erbe“ am 27. April. Moderiert von Einstein-Biograf Jürgen Neffe debattieren Wissenschaftler und Vertreter des Inszenierungs-Teams über Bedeutung und Auswirkungen moderner Wissenschaft auf Mensch und Gesellschaft: Der US-amerikanische Physiker Prof. Dr. Hans Frauenfelder, der Dürrenmatt noch persönlich kannte, Regisseur András Fricsay und der Schauspieler Dieter Mann vom Deutschen Theater, die Theaterwissenschaftlerin Erika Fischer-Lichte sowie der Politologe Klaus Segbers, beide Professoren an der FU.

Einen Tag später folgt die Premiere „Die Physiker“ in den Kammerspielen des Deutschen Theaters. „Im Gegensatz zu früheren Inszenierungen, die ich kenne, winken wir nicht mit dem moralischen Lattenzaun“, erläutert Regisseur András Fricsay sein Konzept. „Damals wurde das Stück sozusagen mit aufgestelltem Pappschild ,Achtung, Gefahr!‘ gespielt. Wir überlegen eher in dem Gesamtstück, wieweit das Ganze vertretbar ist". Physikalische Fachkenntnisse seien nicht nötig.

Die dritte Veranstaltung bildet gleichzeitig den Auftakt zu den „Einstein Lectures Dahlem“, einer hochkarätig besetzten Vorlesungsreihe der Freien Universität Berlin. Hans Frauenfelder, Physiker am Los Alamos National Laboratory in den USA, spricht über „Einstein, Brownian Motion and Protein Dynamics“. Der Vortrag ist eingebettet in ein künstlerisches Rahmenprogramm: Die Deutsches-Theater-Schauspieler Ingo Hülsmann und Sven Lehmann zitieren ausgewählte Gedanken Albert Einsteins. „Bei diesen verschiedenen Veranstaltungen sollte für jeden Geschmack etwas dabei sein“, meint FU-Präsident Lenzen.

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