Elite-Hochschulen : Humboldt-Uni zieht ins Finale ein

Nur sieben von 22 Universitäten haben die Vorrunde im dritten Durchgang der Exzellenzinitiative überstanden: Die Humboldt-Universität hat neue Chancen, die TU scheitert.

Anja Kühne und Tilmann Warnecke

Die Humboldt-Universität kann vorerst aufatmen, die TU Berlin muss Trübsal blasen, sie ist ausgeschieden. Nur sieben von 22 Universitäten haben die Vorrunde im dritten Durchgang der Exzellenzinitiative am Mittwoch überstanden: Neben der Humboldt-Universität entschieden sich die wissenschaftlichen Gutachter in Bonn für die Universitäten Bochum, Bremen, Dresden, Köln, Mainz und Tübingen. Unter Wissenschaftlern als ebenfalls aussichtsreich gehandelte Unis wie die Stiftungsuniversität Frankfurt/Main oder die seit kurzem vom ehemaligen FU-Präsidenten Dieter Lenzen geleitete Universität Hamburg haben keine Chance mehr, das Exzellenzlabel zu erringen. Denn eine Fortsetzung des Wettbewerbs in dieser Form ist nicht geplant.

Nur zwei der aus Berlin beantragten Cluster, also großer interdisziplinärer Forschungsvorhaben, kommen in die Endrunde: eins aus der Charité mit dem Thema „Seltene Erkrankungen“, ein weiteres aus der Humboldt-Universität: „Bild, Wissen, Gestaltung“, das der Kunstwissenschaftler Horst Bredekamp beantragt hat. Die TU Berlin bringt kein Cluster in die Endrunde. Auch auf eine Graduiertenschule kann sie nicht mehr hoffen. Dafür hat die HU gleich drei weitergebracht, eine weitere gemeinsam mit der FU. Die FU zieht noch mit einer weiteren, allein beantragten Graduiertenschule in die Endrunde.

Die TU Berlin war selbstbewusst ins Rennen gegangen, weil sie ihre Drittmitteleinwerbungen in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt hat, auch die der DFG. Doch aus Sicht der Gutachter reicht das noch nicht. Die einzige TU, die noch im Rennen um den Status „Exzellenzuni“ ist, ist jetzt Dresden.

Die Mittel des Wettbewerbs werden auch weiterhin stark konzentriert. Von 65 Unis, die Anträge in den drei Linien (Zukunftskonzepte, Cluster, Graduiertenschulen) eingereicht hatten, sind nur noch 32 im Rennen.

DFG-Präsident Matthias Kleiner nutzte die Gelegenheit, den Fall Guttenberg anzusprechen. Die mit der Exzellenzinitiative geschaffenen Graduiertenschulen seien „Garanten für die Qualitätssicherung“ der Dissertationen. Die Doktoranden werden in den Graduiertenschulen von mehreren Gutachtern betreut und auch enger begleitet, als es bei externen Promotionen üblich ist.

Exzellenzcluster

Von den 107 Antragsskizzen für Exzellenzcluster schaffen es 27 in die Endrunde. Berlin gehört mit zwei Clustern zu den ganz wenigen Standorten, die mehr als ein Cluster weiterbringen. Auch München hat zwei in der Endrunde. Besser sind nur Mainz (drei Cluster) und Bonn (drei Cluster). Alle übrigen Unistandorte müssen ihre Hoffnungen in der Endrunde auf nur ein Cluster stützen: darunter das KIT in Karlsruhe, die Viadrina, Dresden, Bochum, Freiburg, Oldenburg, Paderborn, Münster und Tübingen. Die 27 jetzt ausgewählten Cluster werden im kommenden Jahr in den Wettbewerb mit jenen 37 Clustern treten, die bereits in den Durchgängen im Jahr 2006 und 2007 ausgewählt wurden. Insider gehen davon aus, dass von den bisherigen Clustern nicht mehr als zehn Prozent ausscheiden.

Auffällig aus Berliner Sicht ist auch, dass der Campus Adlershof mit beiden Vorhaben gescheitert ist. Schon im ersten Durchgang der Exzellenzinitiative scheiterte der Wissenschaftspark, auf dem die HU-Naturwissenschaften konzentriert sind, mit seinen Cluster-Anträgen.

Graduiertenschulen

25 von 98 Antragsskizzen aus 55 Unis für Graduiertenschulen sind weitergekommen. Die Humboldt-Universität hat bundesweit mit drei eigenen Anträgen und einem gemeinsamen Antrag mit der FU bundesweit die Nase vorn. Die LMU München, Tübingen und Aachen folgen mit je zwei Anträgen. Die HU bringt Anträge zu den Themen Landnutzung und Infektiologie sowie einen fachübergreifenden Antrag in den Naturwissenschaften weiter. Der HU/FU-Gemeinschaftsantrag stammt aus der Medizin, der FU-Antrag aus den Ostasienwissenschaften.

Der Wettbewerb zeigt erneut eine starke Schlagseite zugunsten des Westens. Von 24 erfolgreichen Cluster-Anträgen kommen nur drei von Ost-Unis. Nur eine von 25 erfolgreichen Graduiertenschulen wurde aus den neuen Ländern beantragt: von der Uni Halle-Wittenberg.

DFG-Präsident Kleiner erklärte, es seien diejenigen „Bundesländer besonders erfolgreich, die über viele Jahre hinweg nachhaltig und dauerhaft in ihre Universitäten investiert haben“. Der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Wolfgang Marquardt, sagte, „die Fähigkeit zur Selbstreflexion und zur Strategiebildung“ der Unis habe „große Fortschritte“ gemacht. Berlins Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) nannte das Ergebnis „eine positive Rückmeldung an die Berliner Wissenschaftspolitik“.

Das Zukunftskonzept der Humboldt-Uni

Die Humboldt-Universität baut mit ihrem Antrag „Bildung durch Wissenschaft“ auf ihrem vorherigen Zukunftskonzept auf. Auch im Mittelpunkt der neuen Skizze stehen interdisziplinäre Zentren, die die Forschung neu vernetzen sollen. Zwei dieser „Integrative Research Institutes“ hat die HU bereits gegründet: das „Centre for Integrative Life Sciences“ auf dem Campus Nord und das „Integrative Research Institute for the Sciences“ in Adlershof. Zwei weitere sollen hinzukommen: Eins hat das Thema „Bildakt und Verkörperung“, ein weiteres soll sich „Arbeit und Lebenslauf in globalgeschichtlicher Perspektive“ widmen. HU-Präsident Jan-Hendrik Olbertz will ferner die Zahl der elf Fakultäten reduzieren und die Entscheidungswege straffen.

Den vom damaligen Präsidenten Christoph Markschies verantworteten Antrag hatte der Wissenschaftsrat als „relativ unfokussiert und wenig präzise“ kritisiert und Zweifel an der „internen Akzeptanz“ angemeldet. Olbertz sagt auf Anfrage, er wolle auf jeden Fall darauf achten, „dass die Universität hinter den Plänen steht“.

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