Energie : Strom aus Schweiß

Kann das Gestrampel von Fitness-Sportlern eine Möglichkeit alternativer Stromerzeugung sein?

Michael Hopkin

Wer einen Großteil seiner Freizeit schwitzend im Fitness-Studio verbringt, mag sich hin und wieder fragen, ob die ganze Energie, die er produziert, nicht besser genutzt werden könnte. Die Antwort lautet: vielleicht.

Der California Fitness Club in Hongkong ist einer der ersten, die sich die Muskelkraft ihrer Gäste als grüne Energiequelle zunutze machen. Dafür wurden Stepper und Cross-Trainer als Generatoren an die Stromleitung des Hauses angeschlossen. Wenn andere Fitness-Studios nachfolgen, könnte dies eine neue Motivation für die Sportler sein: Stromerzeugung mit Schweiß als einziger Emission.

Die Idee, Licht per Pedalkraft zu erzeugen, ist nicht gerade neu. Jeder Fahrradfahrer macht genau das, wenn er seinen Dynamo einschaltet. Ähnlich funktionieren die Automatik-Armbanduhren, die nie stehen bleiben, solange man seinen Arm bewegt. Aber das Konzept aus Hongkong greift aktuelle Überlegungen zum Thema 'Energie-Rückgewinnung' auf. Dabei geht es darum, statt des Stroms der Elektrizitätswerke die Energie zu nutzen, die bei alltäglichen Verrichtungen entsteht.

Andere Rückgewinnungs-Ideen wollen beispielsweise die Trittenergie nutzen, um Fußgängertunnel zu beleuchten. Ebenfalls in der Diskussion ist ein Armee-Rucksack, der die Bewegungen des Soldaten nutzt, um die Arzneimittel, die er mit sich führt, zu kühlen. Und ein niederländischer Nachtclub hat einen Tanzboden installiert, der leuchtet, wenn die Tänzer auf kleine piezoelektrische , also auf Druck reagierende, Kristalle treten.

Ernüchternde Bilanz

Für die Energie-Konzerne besteht allerdings noch kein Anlass zur Sorge. Selbst wenn an allen 13 Geräten des Hongkonger Studios Hochleistungen vollbracht werden, reicht die Energieausbeute lediglich für fünf 60-Watt-Birnen. Auch bei einem Betrieb von zehn Stunden am Tag würde es 82 Jahren dauern, um die rund 12.000 Euro, die der Club investiert hat, abzuzahlen.

Die Studio-Kunden sehen jedoch eine große Motivation in Schildern wie "Du gibst uns Energie", die an den Wänden prangen.

Darüber hinaus rege die Idee die Stromverwender an, zu überlegen, woher ihre Energie kommt, so Graeme Bathurst, Energieberater aus Manchester. "Die Menschen wissen oft gar nicht, wie die Energie erzeugt wird, die sie benutzen. Das ?Rückgewinnungs-Konzept? könnte ihnen das Thema näher bringen," fügt er an.

All diese Ansätze sind jedoch wirtschaftlich noch längst nicht interessant, so Bathurst. "Es ist noch unklar, wie hoch der kommerzielle Wert dieser Überlegungen sein kann," ergänzt der Brite. "Wir bewegen uns zurzeit noch in der extremen Mikroökonomie."

Es gibt nichts geschenkt

Nach Meinung von Bathurst sind die hohen Installationskosten ein Hinweis darauf, dass es bei manchen Projekten vielleicht mehr um grüne PR oder um schöne Spielereien gehe als um tatsächliche Kostenersparnis. So könnten beispielsweise auch kleine Windanlagen auf Stadthäusern ihre Installationskosten niemals amortisieren. "Dafür gibt es in der Stadt einfach zu wenig Wind," erklärt Bathurst.

Was bedeutet das für die Fitness-Freaks aus Hongkong, die Versuchskaninchen, die für eine neue Art der Stromerzeugung an ihren Geräten schwitzen? Keine Marktreife in Sicht. "Bevor nicht jemand große Investitionen vornimmt, ist das viel zu teuer," sagt Bathurst. "Es ist eine schöne Idee, aber zurzeit wohl größtenteils Träumerei."

Dieser Artikel wurde erstmals am 2.3.2007 bei news@nature.com veröffentlicht. doi:10.1038/news070226-16. Übersetzung: Rainer Remmel. © 2007, Macmillan Publishers Ltd

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