Energiemanagement, Stadtplanung oder Internethandel : Vom Studenten zum Firmenchef

Früher waren junge Menschen, die sich schon während ihrer Studienzeit beruflich selbstständig machten, eine große Ausnahme. Heute haben sich die Verhältnisse geändert.

Peter-André Alt

Jedes Jahr entstehen in Deutschland Hunderte neuer Firmen, die durch Studierende und Doktoranden gegründet werden. An der Freien Universität war die Quote der Ausgründungen zuletzt besonders hoch. Die jungen Firmen verteilen sich auf unterschiedlichste Geschäftsbereiche von Medientechnik, Kommunikationswesen und Wirtschaftsberatung über Gesundheitsversorgung bis zu Energiemanagement, Stadtplanung und Internethandel. Die Freie Universität gehört in Hinblick auf die Rahmenbedingungen für Ausgründungen zu den sieben erfolgreichsten deutschen Hochschulen. In der Gruppe der nichttechnischen Volluniversitäten besetzt sie sogar den Spitzenplatz.

Wer sich auf den Weg der beruflichen Selbstständigkeit begibt, muss gut vorbereitet sein. Erfolgreich ist, wer weiß, wie er eine originelle Idee für eine Geschäftsgründung in die Praxis umsetzen kann. Um neue Unternehmen zu fördern, hat die Freie Universität ein Service- und Beratungsteam für Gründer gebildet. Angesiedelt sind dessen Mitglieder in der Forschungsabteilung, die sämtliche Gründeraktivitäten beratend begleitet. Zu den wichtigsten Voraussetzungen für eine gelingende Geschäftsidee zählen gute Kenntnisse in der Projektplanung und -finanzierung. Vermittelt werden sie bei uns innerhalb der Bachelorstudiengänge im Qualifizierungsprogramm der Allgemeinen Berufsvorbereitung, das offen ist für Interessierte sämtlicher Disziplinen. Gleichgültig, aus welcher Fächerkultur die Studierenden kommen – hier erwerben sie die Basiskompetenzen für berufliche Selbstständigkeit.

Zu jedem beruflichen Aufstieg gehört auch das Lernen aus Erfahrung. Daher haben wir erfolgreiche Geschäftsleute aus unterschiedlichen Branchen gewonnen, die mit unseren Gründern Informationen austauschen und sie beraten. Da es für viele junge Firmen attraktiv ist, sich auf dem Campus mit Nähe zu Labors und Infrastruktur anzusiedeln, bieten wir ihnen Büroräume in unseren Gründerzentren. Von hier aus sind die Wege zu den naturwissenschaftlichen Instituten kurz, sodass die Gründer die technische Ausstattung gemeinsam mit den Wissenschaftlern nutzen können. Schon jetzt hat sich dieses Konzept bewährt. Die Freie Universität ist eine unternehmende Universität – nicht „unternehmerisch“ im engeren Sinn, vielmehr ein Inkubator für ausgreifende Ideen und kreative Konzepte beruflicher Selbstständigkeit.

Ermöglicht werden solche Entwicklungen durch die finanzielle Unterstützung des Bundeswirtschaftsministeriums, das die Gründungsförderung der Freien Universität mehrfach ausgezeichnet hat. Zuletzt konnten wir gemeinsam mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im Programm EXIST IV 2,8 Millionen Euro einwerben, das Geld kommt Neugründungen sämtlicher Fachbereiche zugute. Einen Schwerpunkt bilden die Lebenswissenschaften, deren herausragende Leistungskraft in Berlin dadurch nochmals gestärkt wird. Ergänzt wird die direkte Förderung durch Lehr- und Lernangebote, die, zugeschnitten auf den individuellen Bedarf, gründungsrelevante Themen behandeln. So können die jungen Firmengründer optimal vorbereitet die entscheidenden Schritte in die berufliche Selbstständigkeit wagen. Wir freuen uns auf die Innovationen, die von ihren Geschäftsideen ausgehen.

Der Autor ist Präsident der Freien Universität Berlin.

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