• ERASMUS & CO. Wie ein Auslandsstudium für Bachelor-Studenten zum Erfolg wird: Die Ferne lockt

ERASMUS & CO. Wie ein Auslandsstudium für Bachelor-Studenten zum Erfolg wird : Die Ferne lockt

Das Auslandssemester ist auch im Bachelorstudium möglich – wenn es gut vorbereitet wird

Torben Waleczek

Für Daniel Kubiak sollte der Aufenthalt im Ausland ein Höhepunkt seines Bachelor-Studiums werden. Er studiert Sozialwissenschaften an der Humboldt-Uni, besonders interessiert er sich für die Soziologie der Städte. In Warschau wollte Daniel erfahren, wie der Fall des Eisernen Vorhangs die Stadt verändert hat. Also verfasste er ein Motivationsschreiben, zwei DinA4-Seiten, in dem er darstellte, was ihn reizte an Warschau und an der dortigen Uni. Zehn Monate später ging es los nach Polen. Daniel hatte es geschafft und einen Platz im Austausch-Programm Erasmus der EU bekommen. Mit seiner Bewerbung konnte er den Gutachter an der HU überzeugen.

So wie Daniel machen es jedes Jahr hunderte Studenten der Humboldt-Uni: Für ein Semester oder zwei studieren sie im Ausland. Mit dem Erasmus-Programm geht es zu Universitäten innerhalb Europas, mit den Hochschulpartnerschaften der HU hinaus in alle Welt. Seit Einführung des Bachelor-Systems ist die Zahl der Studenten, die ins Ausland gehen, allerdings deutlich gesunken. „Viele fürchten, dass sie dann die sechs Semester Regelstudienzeit nicht einhalten können“, sagt Ursula Hans, Leiterin der Abteilung Internationales an der HU. Damit rechnet auch André Moritz, er studiert Volkswirtschaft und ist gerade zurück von einem Auslandssemester in New York. „Die Regelstudienzeit werde ich jetzt wohl überschreiten“, sagt André. Sein Problem: Das Pflichtmodul Wirtschaftsinformatik wird nur alle zwei Semester angeboten, der nächste Kurs startet erst im Winter.

Um Komplikationen von vornherein zu vermeiden, gilt in jedem Fall: Möglichst früh sollten die Interessenten ihren Studientrip ins Ausland planen. „Anders als in den alten Magisterstudiengängen sollten Bachelor-Studenten schon gleich zu Beginn des Studiums an den Auslandsaufenthalt denken“, rät Ursula Hans. An erster Stelle steht die Sprache.

Wer weiß, wohin er will, kann mit der Vorbereitung nicht früh genug anfangen. Das Sprachenzentrum der HU bietet Kurse in 13 verschiedenen Fremdsprachen an. Als Faustregel für den Auslandsaufenthalt gilt: Die Studenten sollen Vorlesungen verstehen und sich an Seminaren beteiligen können. Welche Sprachkenntnisse verlangt werden, hängt jedoch auch vom Zielland ab. Besonders hoch sind die Anforderungen bei gängigen Sprachen, die schon in der Schule unterrichtet werden: Englisch, Französisch oder Spanisch. Bei etwas exotischeren Sprachen reichen einfachere Kenntnisse.

In vielen Ländern ist es außerdem üblich, dass die Universitäten für ihre internationalen Studenten spezielle Seminare abhalten, in denen Englisch gesprochen wird. Um die Sprachkenntnisse nachzuweisen, muss jeder Bewerber für ein Auslandssemester einen Test am Sprachenzentrum überstehen. Das Zertifikat gehört dann in die Bewerbungsmappe – außerdem ein tabellarischer Lebenslauf, ein Nachweis der Studienleistungen und ein Motivationsschreiben, aus dem auch hervorgeht, wie ein Auslandssemester sich in den Studienverlauf einfügt.

Im Bachelor-Studium ist der Gang ins Ausland frühestens ab dem dritten Semester möglich, die HU empfiehlt ihren Studierenden das vierte oder fünfte Semester. An der Heimat-Uni sollen die Studenten zunächst die Grundlagen ihres Faches lernen und sich die nötigen Sprachkenntnisse aneignen.

Auch das Bewerbungsprozedere dauert. Für ein Auslandssemester innerhalb Europas gilt meist eine Vorlaufzeit von einem halben Jahr. Wer weiter weg will, zum Beispiel in die USA, nach China oder nach Afrika, der sollte sich ein ganzes Jahr im Voraus bewerben.

Wenn es geklappt hat mit dem Platz im Austauschprogramm, ist es Zeit, sich um ein so genanntes „Learning Agreement“ zu kümmern. Das ist eine schriftliche Vereinbarung zwischen den Partnerhochschulen, in der die Anerkennung der im Ausland erbrachten Studienleistungen geregelt wird. Verzeichnet sind darin die Lehrveranstaltungen, die der Student im Ausland besuchen will, unterschrieben wird das „Learning Agreement“ von den Koordinatoren der beiden Universitäten.

Wenn das Auslandssemester zu Ende geht, lassen sich die Studenten von ihrer Gast-Uni ein weiteres Formular ausstellen, das „Transcript of Records“. Aufgelistet werden darin die besuchten Kurse, die Noten und, zumindest in Europa, die ECTS-Punkte. An der Humboldt-Uni dient das „Transcript of Records“ als Beleg für die Anerkennung der Studienleistungen. Was anerkannt wird, liegt jedoch im Ermessen der Institute und Fakultäten an der HU. „Bisweilen gibt es Probleme mit der Anerkennung, das ist ein Fakt“, sagt Ursula Hans von der Abteilung Internationales. Wer sich in dieser Frage ungerecht behandelt fühle, könne Beschwerde einlegen. Ansprechpartner für solche Fälle ist an der HU der Vizepräsident für Studium und Internationales.

Daniel Kubiak musste sich nach seinem Auslandssemester in Warschau nirgends beschweren. „Die Erasmus-Koordinatorin an meinem Institut hat alles problemlos anerkannt“, sagt er. Vier Seminare und 20 Studienpunkte konnte er in sein Studienbuch eintragen. Und noch etwas hat er aus Polen mitgebracht: das Thema für seine Bachelorarbeit – die in der Presse geführten Diskussionen über das Zentrum gegen Vertreibung. Daniels Fazit: „Für ein Semester ins Ausland zu gehen, würde ich jedem Studenten empfehlen.“

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