Ernährung : Anzahl der Fettzellen bleibt im Erwachsenenalter konstant

Selbst ernsthafter Gewichtsverlust reduziert nicht die Gesamtzahl der fetttragenden Zellen.

Michael Hopkin

Eine neue Studie ergab, dass die Zahl der Fettzellen im Körper während des Erwachsenenlebens konstant bleibt. Die Entdeckung legt nahe, dass sich der Prozess der Gewichtszunahme bei Kindern und Erwachsenen grundlegend unterscheidet.

Gewichtszunahme oder -verlust geht bei Erwachsenen mit einer Veränderung der Größe der Fettzellen einher - auch Adipozyten genannt -, die Fettpolster im Körper anlegen. Kinder hingegen können Fett zulegen, indem die Gesamtzahl der Fettzellen in ihrem Körper zunimmt.

Das könnte bedeuten, dass Menschen, die während ihrer Kindheit dick werden, es im späteren Leben schwerer haben, Gewicht zu reduzieren, verglichen mit Personen, die während ihres Erwachsenenlebens Pfunde zulegen, meint Kirsty Spalding vom Karolinska Institute in Stockholm, die die neuen Forschungen leitete.

Obwohl die Anzahl der Fettzellen im Erwachsenenleben konstant bleibt, fanden Spalding und ihr Team heraus, dass nicht dieselben Zellen dauerhaft bestehen. Es ist ein dynamischer Prozess von Zelltod und neu entstehenden Zellen.

Stetige Anzahl

Spalding und ihr Team nahmen Biopsien aus dem Bauchfett von 687 Personen, sowohl schlanken wie übergewichtigen, und erfassten Zahl und Größe der Fettzellen ebenso wie Alter, Geschlecht und Body-Mass-Index. In Kombination mit früher erhobenen Daten von Kindern zeigten sie, dass die durchschnittliche Anzahl der Fettzellen etwa ab dem 20. Lebensjahr ansteigt, dann relativ konstant bleibt und eng mit dem Body-Mass-Index assoziiert ist.

Die Forscher untersuchten ferner 20 übergewichtige Personen, die sich einer Operation zur Magenverkleinerung unterzogen, um die Nahrungsaufnahme zu reduzieren. Als Spalding und ihr Team diese Freiwilligen zwei Jahre nach dem Eingriff erneut untersuchten, fanden sie keine Reduktion der Anzahl der Fettzellen: Die Probanden hatten immer noch mehr als 80 Billionen Körperfettzellen, kalkulierte das Team, obwohl sie durchschnittlich 18 % ihres Gewichts verloren hatten. Vielmehr war das Volumen der einzelnen Fettzellen reduziert, nicht die Anzahl, berichtet das Team in Nature (1).

Nichts desto weniger sterben Fettzellen kontinuierlich ab und werden durch neue ersetzt, auch bei Erwachsenen, so Spalding und ihr Team. Herausgefunden haben sie dies, indem sie Fett untersuchten, das beim Fettabsaugen von 35 Personen anfiel, die in der Zeit der Atombombentests des Kalten Krieges zwischen 1955 und 63 lebten, als die Atmosphäre leicht radioaktiver war als normal. Nahrung, die in dieser Zeit angebaut und verzehrt wurde, wies erhöhte Werte eines Isotops mit der Bezeichnung Carbon-14 auf.

Weniger Zellen wissen erhöhte Carbon-14-Werte auf, als zu erwarten wäre, hätten sich die Zellen nicht erneuert, berichtet das Team.

Abnehmen

Sollten Zellbiologen herausfinden können, wie genau diese Zellerneuerung reguliert wird, könnte es möglich werden, Medikamente zu entwickeln, die in diesen Prozess eingreifen - was potenziell helfen könnte, einmal verlorenes Gewicht nicht wieder zuzulegen.

Spalding sagt, ein solches Medikament würde am besten Patienten gegeben, die eine Therapie mit ernsthaftem Gewichtsverlust hinter sich hätten, zum Beispiel eine Magenverkleinerung. "Man muss damit sehr vorsichtig sein", warnt sie.

"Es wäre sehr gefährlich, Patienten ein solches Medikament zu geben, solange sie übergewichtig sind", fügt Spalding hinzu. Die Fettzellen zu reduzieren, während die Person noch über viel Fett verfügt, würde die verbleibenden Fettzellen zusätzlich belasten, was zu Stoffwechselkomplikationen wie beispielsweise Diabetes führen könnte, erklärt sie.

"Einfach eine Pille nehmen, Gewicht verlieren, Problem gelöst - so einfach wird es nicht sein, denke ich", fügt sie hinzu.

Wichtiger ist möglicherweise die Bestätigung, dass Fettzellen im Kindeslater proliferieren können, nicht jedoch im Erwachsenenalter, sagt Spalding. Die dahinter stehenden Faktoren sind möglicherweise sowohl genetisch wie ernährungsbedingt.

Obwohl also Übergewicht in der Familie zu liegen scheint, wird ein normales Gewicht in jungen Jahren dazu beitragen, im Erwachsenenalter eine gesunde Anzahl von Fettzellen zu besitzen. "Leute mit Kindern sollten darauf achten, dass diese einen gesunden Lebensstil haben - das ist die Botschaft, die sich daraus ziehen lässt", sagt Spalding.

(1) Spalding, K. L. et al. Nature advanced online publication, doi:10.1038/nature06902 (2008).

Dieser Artikel wurde erstmals am 5.5.2008 bei news@nature.com veröffentlicht. doi: 10.1038/news.2008.800. Übersetzung: Sonja Hinte. © 2007, Macmillan Publishers Ltd

0 Kommentare

Neuester Kommentar