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Ex-Wissenschaftssenator für die FU Berlin : Jürgen Zöllner soll vor Entscheidung befragt werden

Der Akademische Senat der FU will Jürgen Zöllner zunächst einladen und befragen, bevor über eine Berufung in das Kuratorium entschieden wird. Der Asta der FU will den ehemaligen Wissenschaftssenator verhindern.

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Jürgen Zöllner, Berlins ehemaliger Wissenschaftssenator (SPD)
Jürgen Zöllner, Berlins ehemaliger Wissenschaftssenator (SPD)Foto: dpa

Der Akademische Senat (AS) der Freien Universität will den ehemaligen Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner zunächst einladen und dann befragen, bevor das Gremium über eine Berufung Zöllners in das Kuratorium der FU entscheidet. Das beschloss der AS am gestrigen Mittwoch. In nicht-öffentlicher Sitzung hatte das Gremium über die Kandidaten für das Kuratorium diskutiert. Die nächste Sitzung des AS findet am 19. November statt, ob Zöllner bereits dann eingeladen wird, war noch nicht zu erfahren.

Wie berichtet, will das FU-Präsidium Zöllner ins Kuratorium der Freien Universität werden. Zöllner hatte am am Dienstag gegenüber dem Tagesspiegel eine entsprechende Presseerklärung des Astas der FU bestätigt: "Man hat mich gefragt - und ich fühle mich geehrt."

Der Asta wirft Zöllner eine "neoliberale" Ausrichtung vor und hält ihn deshalb für "untragbar". Die Mitglieder des Akademischen Senats (AS) hatte die Studierendenvertretung aufgerufen, Zöllner in der Sitzung am Mittwoch ihre Zustimmung zu verweigern. Im Asta vermutet man, dass Zöllner nicht nur als einfaches Kuratoriumsmitglied vorgesehen ist, sondern später zum neuen Vorsitzenden des Gremiums gewählt wird. Fünf der zehn Mitglieder des FU-Kuratoriums kommen nicht aus der FU. Sie werden vom Präsidium "im Einvernehmen" mit dem AS vorgeschlagen und von der Bildungssenatorin bestellt. Der langjährige Vorsitzende des FU-Kuratoriums Hans-Uwe Erichsen wird am morgigen Mittwoch 80 Jahre alt. Nach Tagesspiegel-Informationen gab es auch an der Humboldt-Universität Bemühungen, Zöllner zum Kuratoriumsvorsitzenden zu machen, was aber angeblich an internen Widerständen gescheitert sein soll. Zöllner ist aktuell Vorstand der Einstein-Stiftung und Vorstand der Stiftung Charité der Unternehmerin Johanna Quandt.

Weniger bekannt ist, dass Zöllner auch Vorsitzender des Kuratoriums des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (Dipf) in Frankfurt am Main und Mitglied des Hochschulrats der Universität Bonn ist. Warum will er sich nun auch noch an der FU engagieren? "Die Berliner Wissenschaftslandschaft liegt mir nach wie vor sehr am Herzen", sagt Zöllner.

Die FU-Studierendenvertreter werfen Zöllner vor, sich für "Eliteprojekte", eine Entdemokratisierung der Hochschulen und für Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer zu engagieren. Als ehemaliges Beiratsmitglied des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) gehöre Zöllner zu einem "wissenschaftspolitischen Klüngel, der sich regelmäßig Führungspositionen zuschanzt", erklärte Philipp Bahrt, Asta-Referent für Kommunikation und Antirepression. Das CHE sei die "treibende Kraft hinter der neoliberalen Umstrukturierung der deutschen Hochschullandschaft in den letzten 20 Jahren". Zöllner stehe in "fataler Kontinuität" zu zwei anderen Personalien an der FU: Der langjährige Kuratoriumsvorsitzende Hans-Uwe Erichsen, früher Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), habe das CHE mitbegründet, das Kuratoriumsmitglied Margret Wintermantel, die Präsidentin des DAAD und frühere HRK-Präsidentin, gehöre ebenfalls "zum Dunstkreis des CHE". "Mit Zöllner und Wintermantel würde der Einfluss der konzernnahen Einrichtung CHE auf die Freie Universität verstetigt", so Bahrt.

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