Experimentelle Therapien gegen Ebola : 30 000 Menschen müssten behandelt werden

Die Ebola-Epidemie in Westafrika kann kein neues Medikament und keine Impfung stoppen - denn von den experimentellen Therapien stehen jeweils nur einige Dutzend Dosen bereit. Gebraucht werden zehntausende.

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Zu wenig, zu spät. Helfer holen eine Ebola-Tote aus dem Wartebereich eines Krankenhauses in Liberias Hauptstadt Monrovia ab. Sie ist eine von 1350 Menschen in Westafrika, die bisher an dem Virus starben.
Zu wenig, zu spät. Helfer holen eine Ebola-Tote aus dem Wartebereich eines Krankenhauses in Liberias Hauptstadt Monrovia ab. Sie...Foto: dpa

Wenn experimentelle Therapien und Impfungen gegen Ebola in Westafrika gerecht verteilt werden sollen, hätten bislang Mittel für 30 000 Menschen bereitstehen müssen. Das schreibt der Epidemiologe Oliver Brady von der Universität Oxford im Fachblatt „Nature“.

Das sei eine vorsichtige Hochrechnung. Schließlich hat die Weltgesundheitsorganisation WHO gewarnt, dass die offiziellen Zahlen – 2473 Erkrankte und 1350 Tote in Guinea, Liberia, Sierra Leone und Nigeria – das Ausmaß der Epidemie wahrscheinlich „massiv unterschätzen“.

In der letzten Woche hatte die WHO zugestimmt, dass Ärzte in der jetzigen Ausnahmesituation Therapien einsetzen dürfen, die bisher nur an Affen oder einzelnen Menschen getestet wurden. Voraussetzungen sind unter anderem das Einverständnis des Patienten und eine faire Verteilung. Da die Mittel bisher nur im Labor angewendet wurden, sind sie aber nur in sehr kleinen Mengen vorhanden. Der Vorrat des Antikörper-Cocktails ZMapp, den die amerikanischen Ebola-Patienten Kent Brantley und Nancy Writebol bekamen, ist zum Beispiel fast aufgebraucht. Derzeit können einige Dutzend Kranke mit solchen Medikamenten behandelt oder geschützt werden, nicht zehntausende. „Die Vorräte müssen massiv aufgestockt werden“, schreibt Brady.

Diese Epidemie werden die neuen Medikamente nicht stoppen

Besonders dringend sei eine Versorgung der Erkrankten und ihrer Familien, außerdem der Schutz des medizinischen Personals und jener Helfer, die Kontaktpersonen nachverfolgen, Häuser desinfizieren oder Leichen bestatten. Darüber hinaus könne man Angehörige der Hilfsorganisationen, der Regierungen und Logistiker einbeziehen. „Wir können keine exakten Zahlen nennen“, schreibt Brady. Es gehe vielmehr um eine Schätzung des Bedarfs. „Es gibt einfach nicht genug für alle“, kommentiert Jonathan Ball, Virologe von der Universität Nottingham. „Dieser Epidemie können wir nur mit Aufklärung, besserer Krankenversorgung und strikter Infektionskontrolle beikommen.“

Eine weitere Einschränkung ist, dass experimentelle Ebola-Medikamente Affen bisher nur kurz nach der Infektion verabreicht wurde. Deshalb ist unklar, ob sie später noch gegen das Virus ankommen. Eine Studie in „Science Translational Medicine“ macht nun Hoffnung, dass das zumindest auf TKM-Ebola zutrifft. Das Medikament der Firma Tekmira schleust in Nanopartikel verpackte RNS-Stücke in infizierte Zellen ein. Sie binden an das Erbgut des Virus und hindern es daran, Kopien von sich selbst herzustellen. Forscher um Thomas Geisbert von der Universiät von Texas in Galveston haben mit dieser Technik auch ein Medikament gegen Marburg entwickelt, ein Virus das eng mit Ebola verwandt ist. TKM-Marburg schützt Makaken noch drei Tage nach der Infektion zu 100 Prozent vor diesem Virus, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt bereits Symptome entwickelt hatten. Alle Affen aus der Kontrollgruppe starben nach etwa einer Woche. Das Team will nun die Sicherheit von TKM-Marburg bei Menschen prüfen. Das ist ein Schritt, den Tekmira für sein Ebola-Mittel bereits getan hat. Für TKM-Ebola fehlen allerdings Studien mit Affen, die zeigen, bis zu welchem Zeitpunkt das Mittel wirken kann.

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