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Exzellenzstrategie : Hamburg will ein Wissenschaftskolleg - wie in Berlin

Die Uni Hamburg will das Exzellenzsiegel. Rückenwind soll die Gründung eines eigenen Wissenschaftskollegs bringen - nach Berliner Vorbild.

Dieter Lenzen, Präsident der Universität Hamburg.
Hamburg vor. Dieter Lenzen, Präsident der Universität Hamburg.Foto: Christian Charisius/picture alliance/dpa

Hamburg ist mit seiner 1919 gegründeten Universität und seiner erst vor dreizehn Jahren geschaffenen Akademie eine junge Wissenschaftsstadt. Jetzt soll – mit großer zeitlicher Verzögerung – auch ein Wissenschaftskolleg dazukommen: Für das kommende Jahr plant die Stadt die Gründung des „Hamburg Institute for Advanced Study (HIAS)“.

„Berlin hat eins, München hat eins, wir brauchen auch eins“, erklärte Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Bündnis 90/Die Grünen) am Donnerstag. Jeder exzellente Wissenschaftsstandort brauche ein Wissenschaftskolleg. Auch Dieter Lenzen, Präsident der Universität Hamburg und früherer Präsident der Freien Universität Berlin, nannte Berlin als Vorbild: Es sei nun einmal so, „dass die großen Exzellenzuniversitäten in Deutschland über ein solches Wissenschaftskolleg verfügen, das prominenteste Beispiel ist Berlin mit seinem Wissenschaftskolleg“.

Erste Pläne 2004 - und es geht weiter nur langsam voran

Lenzen hofft für seine Hochschule 2019 im milliardenschweren Bund-Länder-Wettbewerb der Exzellenzstrategie erstmals den Titel einer Exzellenzuniversität erringen zu können. Mit vier Clusterinitiativen, über die im September 2018 entschieden wird, liegt die Uni bislang gut im Rennen.

Das hat den lang gehegten Hamburger Plänen für ein eigenes Institute for Advanced Study womöglich neuen Schwung gegeben. Schon in der Gründungsphase der Hamburger Akademie der Wissenschaften 2004 war davon die Rede, und in der Satzung der Gelehrtengesellschaft ist das Kolleg verankert. Doch lange standen weder die Finanzierung noch das Konzept für das Hamburger Kolleg. Vor einem Jahr setzte der Hamburger Senat dann einen Gründungsausschuss ein und bewilligte eine Anschubfinanzierung von jeweils 500.000 Euro für 2017 und 2018. Doch dann wurde es wieder still um die Pläne. Die oppositionelle CDU scheiterte mit mehreren Parlamentarischen Anfragen und Anträgen zum Fortgang und zu inhaltlichen Schwerpunkten des Projekts.

Vorgeschmack: Eine Konferenz zum "Zerfall von Ordnungen"

Jetzt, zum Jahresende, gibt es mit dem Start der Konferenzreihe „Hamburger Horizonte“ immerhin schon mal eine Art Soft Opening für das HIAS. Die zweitägige Veranstaltung mit Eröffnung im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses am heutigen Donnerstagabend sei „zugleich Auftaktkonferenz für die Gründung eines Wissenschaftskollegs in Hamburg“, kündigten die Akademie, die Wissenschaftsbehörde, die Universität Hamburg und die Körber-Stiftung an. Mit dem interdisziplinär angelegten Konferenz-Thema „Zerfall von Ordnungen“ könnte ein künftiges Forschungsfeld am HIAS beschrieben sein – verbunden mit dem Anspruch „Wissenschaft trifft Gesellschaft“ (zum Video-Livestream geht es hier).

Unter den prominenten Konferenzteilnehmern sind neben dem Historiker Dan Diner (Hebräische Universität Jerusalem) und dem Bochumer Neurowissenschaftler Onur Güntürkün etliche Berliner, darunter Lorraine Daston, Direktorin am Max-​Planck-Institut für Wissenschafts­geschichte, der Politikwissenschaftler Herfried Münkler und der Religionssoziologe Hans Joas. Alle drei sind dem 1981 gegründeten Wissenschaftskolleg zu Berlin verbunden, Daston als Permanent Fellow.

Hamburg will etwas Einmaliges schaffen

Wissenschaftssenatorin Fegebank betont indes, dass das HIAS „nicht einfach ein weiteres Kolleg von vielen“ werden solle. Idee und Konzept sollten sich von bestehenden Einrichtungen abheben. Jedenfalls wolle man „Koryphäen aus dem Ausland zeigen, was wir zu bieten haben“. Zur Struktur des Kollegs war bislang zu erfahren, dass das HIAS vom Präsidenten der Akademie geleitet werden soll. Jetzt heißt es, es werde nicht an der Akademie angesiedelt, vielmehr solle ein neu zu gründender Verein die Trägerschaft übernehmen. Ausländische, aber auch inländische Fellows will man für mindestens sechs Monate berufen, geplant war ebenso die Einladung von „Junior-Fellows“.

Wie etwa auch am IAS in Princeton sollen die Eingeladenen „gemeinsam wohnen und über Fächergrenzen hinweg an großen Fragen der Gesellschaft, der Kunst, der Musik, der Politik, der Wirtschaft oder der Religion forschen“, teilt der Senat jetzt mit.

Bis zu drei Millionen Euro im Jahr für den Kolleg-Betrieb nötig

Ungeklärt ist allerdings weiterhin die Finanzierungsfrage. In einem Evaluierungsbericht zur Zukunft der Hamburger Akademie von 2014 heißt es, für das Kolleg seien 2,5 bis 3 Millionen Euro im Jahr notwendig. Zudem fehle ein angemessenes Gebäude für die Akademie und das Kolleg, kritisiert CDU-Politiker Carsten Ovens auf Anfrage.

Derzeit ist die Akademie der Wissenschaften in Hamburg in einem Uni-Gebäude und sei dort schon in Platznot. Aus der Hochschule hieß es am Donnerstagabend dazu, das Kolleg könnte im geplanten Uni-Gästehaus hinter dem Völkerkundemuseum untergebracht werden. Der Senat teilte mit, das Projekt befinde sich „nun in einer Vorgründungsphase“. Die finanzielle Herausforderung soll offenbar auf viele Schultern verteilt werden, jedenfalls spricht Senatorin Fegebank davon, „möglichst vielen Einrichtungen die Chance zu geben mitzumachen“.

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