Fachhochschulen werben um Professoren-Nachwuchs : Eine FH-Professur nur für Praktiker

Fachhochschulen wollen Universitäts-Postdocs den Weg in die FH-Professur erleichtern. Die geforderte Praxis außerhalb der Hochschule darf nicht zu kurz kommen, fordert unser Kolumnist.

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Eine Gruppe von Ingenieuren mit Bauhelmen auf dem Kopf beugt sich über Baupläne. Foto: picture-alliance/ dpa
Fachhochschulen sollen ihre Studierenden praxisnah ausbilden - und von ihren Professoren einen entsprechenden Hintergrund fordern....Foto: picture-alliance/ dpa

Es ist so wie seit Jahrzehnten in der Hochschulpolitik: Da wird ein tatsächliches oder vermeintliches Problem gelöst, ohne an die Folgen und Nebenwirkungen zu denken. Repräsentanten der Fachhochschulen werben um Postdocs, die an den Universitäten keine berufliche Chance sehen. Einstellungsvoraussetzung ist derzeit eine „fünfjährige berufliche Tätigkeit, wovon mindestens drei Jahre außerhalb des Hochschulbereichs ausgeübt“ sein müssen. Dies könne, so der Vorschlag, erleichtert werden, indem die Aspiranten während der Zeit im Unternehmen ein bis zwei Tage an einer Fachhochschule lehren und forschen, um nach drei Jahren endgültig an die FH zu wechseln.

Hat man bisher schon die ursprünglich geforderte Tätigkeit außerhalb des Hochschulbereichs immer weiter aufgeweicht, bedeutet der neuerliche Vorschlag faktisch den endgültigen Abschied von diesem Erfordernis.

George Turner war Berliner Wissenschaftssenator, Präsident der Universität Hohenheim und Präsident der Westdeutschen Rektorenkonferenz - und ist Kolumnist des Tagesspiegels. Foto: Mike Wolff
George Turner war Berliner Wissenschaftssenator, Präsident der Universität Hohenheim und Präsident der Westdeutschen...Foto: Mike Wolff

Die Folgen liegen auf der Hand: Das Element „Ausbildung für die Praxis“ gerät bei solcher Auswahl der Lehrpersonen ins Hintertreffen. Nachhaltiger sind „Nebenwirkungen“. Die so ausgewählten FH-Professoren werden sich immer mehr als „eigentlich“ der Universität verbunden verstehen, als dass sie den Auftrag der neuen Wirkungsstätte annehmen. Je mehr „Mittelbauer“, womöglich noch habilitiert, Professoren an Fachhochschulen werden, desto lauter der Ruf nach Gleichstellung mit den Universitäten. Die Forderung des Promotionsrechts ist nur ein Aspekt.

Unterschiede zwischen Universitäten und FHen nicht einebnen

Dabei ist überdeutlich, dass der tertiäre Bereich einer Differenzierung bedarf. Das gilt für die Universitäten in ihrem Verhältnis untereinander, noch mehr aber für das zu den Fachhochschulen. Sie sind der richtige und von ihrem ursprünglichen Konzept her angemessene Ort für die Ausbildung der großen Zahl der Studienberechtigten. In Verkennung der Erfordernisse hat man an Stelle der Fachhochschulen die Universitäten unverhältnismäßig ausgebaut. Das rächt sich jetzt, sollte jedoch nicht dazu führen, dass Fehler weiter perpetuiert werden. Das aber geschieht, wenn die Fachhochschulen eine Berufungspolitik fortsetzen, die zu einer Einebnung der Unterschiede der Lehrkörper an den beiden Hochschularten führt.

Im Ergebnis würden die Fachhochschulen damit ihren Auftrag nicht mehr erfüllen, eine praxisorientierte Ausbildung anzubieten. Die Berufungspolitik, den Lehrkörper möglichst universitäts-affin zusammenzusetzen, scheint allerdings beabsichtigt zu sein. Das hat Folgen und Nebenwirkungen.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail senden: george.turner@t-online.de

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