Fluchtpunkt Hochschule : Wie Unis in Europa Flüchtlingen helfen

In ganz Europa setzen sich Hochschulen für Flüchtlinge ein - auch in Ländern wie Polen oder Tschechien, die sonst in der Flüchtlingsfrage sehr restriktiv sind.

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Bereit zur Hilfe. Studenten in Antwerpen solidarisieren sich mit Flüchtlingen. Foto: Imago
Bereit zur Hilfe. Studenten in Antwerpen solidarisieren sich mit Flüchtlingen. Foto: ImagoFoto: imago/Belga

Wie kommen Flüchtlinge an die Uni, wie können sie in das akademische Leben integriert werden: Diese Fragen bewegen nicht nur in Deutschland Hochschulen, sondern in vielen Ländern Europas. Eine neue Karte der Europäischen Universitätsvereinigung (EUA) zeigt jetzt, welche Hochschulen sich europaweit für Flüchtlinge engagieren. Hochschulen in Deutschland sind demnach besonders aktiv – aber auch in anderen Ländern gibt es viele Initiativen.

Noch ist die Auflistung der EUA nicht ganz vollständig. Das zeigt sich unter anderem daran, dass die Initiativen der drei großen Berliner Unis nicht verzeichnet sind. Dabei ist etwa an der TU Berlin im November die erste Flüchtlingsklasse gestartet. Dennoch lassen sich einige Tendenzen feststellen. Die Haltung der jeweiligen Regierungen in der Flüchtlingsfrage etwa muss sich nicht zwangsläufig im Willen zum Engagement beziehungsweise Nicht-Engagement der Unis widerspiegeln. In Polen etwa, das besonders restriktiv in der Flüchtlingsfrage agiert, wollen immerhin zehn Unis Initiativen auf den Weg bringen – mehr als zum Beispiel in Großbritannien (6).

Die Uni Warschau will Flüchtlingen Studiengebühren erlassen

So hat die TU Breslau ein Programm aufgesetzt, um 20 Flüchtlingen ein Studium zu ermöglichen. Diese sollen Stipendien erhalten und kostenfrei in einem Studierendenwohnheim unterkommen. Die Medizinische Universität Warschau will für fünf Studierende die Studiengebühren von umgerechnet 2500 Euro im Semester übernehmen. Allerdings handelt es sich oft um eher theoretische Pläne – denn Flüchtlinge seien vor Ort nicht angekommen, merken die Unis an. Die TU Lodz hat dafür zwei Studierende aus der Donbas-Region aufgenommen. Auch an anderen osteuropäischen Unis ist der Wille zur Hilfe da. Die Karls-Universität Prag will Flüchtlingen Studiengebühren erlassen, ebenso die Technische Universität Kosice in der Slowakei.

Größere Initiativen kommen insbesondere von Hochschulen in den Niederlanden, der Schweiz, Belgien und Österreich – und in Schweden. Die Uni Göteborg hat inzwischen eine Stelle für einen Flüchtlingskoordinator geschaffen. Der kümmert sich nicht nur um Brückenkurse und Studienplätze, sondern auch um 80 Flüchtlinge, die als Hospitanten an die Arbeit verschiedener Fakultäten herangeführt werden. Die Uni Uppsala hat ein spezielles Training für Lehrkräfte konzipiert, die Flüchtlingskinder unterrichten. In Stockholm werden geflohene Ingenieurstudierende vom Königlich Technischen Institut gezielt auf eine Fortführung des Studiums und den Jobeinstieg vorbereitet. „Die Flüchtlinge sollten möglichst schnell ins schwedische Alltags- und Arbeitsleben integriert werden“, heißt es bei den Stockholmern.

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