Forschung : Medikamente gegen Epilepsie schaden Fetus

Epilepsie ist eine schwere Erkrankung, aber für schwangere Frauen kommt ein weiteres Problem hinzu: Die Medikamente, die ihnen am besten helfen, können dem ungeborenen Kind schaden.

Schon früher gab es Hinweise auch auf geistige Schäden bei Neugeborenen. Britische und amerikanische Ärzte haben nun 309 Kinder untersucht, deren Mütter während der Schwangerschaft je eines der vier gängigsten Anti-Epileptika genommen haben. Dabei schneidet das Medikament „Valproat“ am schlechtesten ab. Im Durchschnitt hatten dreijährige Kinder, die im Mutterleib Valproat ausgesetzt waren einen IQ der neun Punkte unter dem IQ von Kindern lag, deren Mütter das Medikament Lamotrigin bekamen, schreiben die Forscher im „New England Journal of Medicine“.

Für Menschen mit einer bestimmten Form der Epilepsie, der idioapthischen Epilepsie mit generalisierten Anfällen, ist Valproat aber das wirksamste Medikament. Für diese zehn Prozent der Epilepsiekranken bietet sich als Alternative nur Lamotrigin an. „Aber fast alle Frauen, die mit Valproat anfallsfrei waren, werden, wenn sie auf Lamotrigin umsteigen, wieder mit Anfällen rechnen müssen“, sagt Jürgen Bauer, leitender Oberarzt an der Klinik für Epileptologie der Universität Bonn. Für das Kind gehe von solchen Anfällen zwar so gut wie keine Gefahr aus, aber für eine junge Frau sei ein Anfall während der Schwangerschaft schlimm. „Das kann ihr ganzes Selbstverständnis durcheinanderbringen und ihre soziale Einbindung stören.“ Nach einem Anfall dürfe die Frau auch nicht mehr Auto fahren, bis sie ein Jahr anfallsfrei sei. Für viele Menschen sei das ein entscheidender Punkt.

Schon länger ist bekannt, dass Anti-Epileptika auch Fehlbildungen verursachen können. Das ist zum Beispiel für Spina bifida belegt, eine Entwicklungsstörung, die im Volksmund als „offener Rücken“ bezeichnet wird. Das durchschnittliche Risiko, ein Kind mit dieser Erkrankung zu gebären, liegt bei 0,2 Prozent. Schwangere Frauen, die Valproat nehmen, haben ein Risiko von bis zu zwei Prozent. Zusammen mit der neuen Studie zeige das die hohen Risiken für das Kind, sagt Bauer. Eine wirkliche Alternative gebe es aber nicht. „Für Frauen mit dieser Form der Epilepsie ist das eine Katastrophe.“ kkp

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