Forschungsstelle "Entartete Kunst" in Berlin : Zehn Jahre Suche nach verfemten Bildern

Sie fahnden nach verkauften und verschleppten Bildern, die die Nationalsozialisten als "entartete Kunst" diffamierten. Nach zehn Jahren zog die Arbeitsstelle an der FU Berlin jetzt Bilanz.

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Museumsbesucherin mit dem Gemälde Sonnenaufgang von Otto Dix.
Einst beschlagnahmt. Das Gemälde "Sonnenaufgang" von Otto Dix aus dem Jahr 1913 wurde Anfang 2013 von den Städtischen...Foto: dpa/picture aliiance

Die Schicksalswege der von den Nazis verfemten Kunstwerke, die 1937 aus deutschen Museen entfernt, verkauft oder zerstört wurden, sind verworren. Doch immerhin der Hälfte der 21 000 Objekte, darunter Meisterwerke von Emil Nolde, Marc Chagall oder Ernst Ludwig Kirchner, konnte inzwischen nachgespürt werden. Das erklärte die an der Freien Universität (FU) angesiedelte Forschungsstelle „Entartete Kunst“ anlässlich ihres 10-jährigen Bestehens am Donnerstag in Berlin.

Ihre Ergebnisse stellen die Wissenschaftler in einer Internet-Datenbank zusammen, die zum Jubiläum nun auch in einer englischen Fassung freigeschaltet wird. Forschungslücken gibt es aber noch viele: Nur von etwa 20 Prozent der Kunstschätze konnte auch der heutige Standort ermittelt werden. Die meisten sind in Privatbesitz, ein paar konnten aber auch an ihre Ursprungsorte zurückkehren, wie der „Sonnenaufgang“ von Otto Dix, das nach 80 Jahren von den Städtischen Kunstsammlungen Dresden zurückerworben wurde. Bisher nicht gelungen ist es, ein von Gerüchten umranktes Schlüsselwerk der Moderne aufzuspüren, Franz Marcs „Turm der Blauen Pferde“ von 1913. Es hing bis zur Beschlagnahmung in der Nationalgalerie im Berliner Kronprinzenpalais . Andreas Hüneke von der Forschungsstelle hält es weiter für denkbar, dass das Bild „noch irgendwo existiert“.

2003 wurde die Forschungsstelle auf Initiative der Ferdinand-Möller-Stiftung gegründet und ist seitdem Anlaufstelle für Provenienzforscher, Museumsleute und Privatsammler. Den runden Geburtstag feiern die Kunsthistoriker am 5. und 6. September mit einem öffentlichen Symposium an der FU.

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